Tag 135: Ferienzeit!

Da ich endlich mit meinen Klausuren hier fertig bin, dachte ich könnte hier mal wieder was schreiben. Großartig spannend war der letzte Monat zwar nicht, aber ich update euch trotzdem mal:

Einige unserer letzten Vorlesungen waren ganz süß, unser Dozent in International Communication spielte uns ein Ständchen auf der Gitarre (inklusive Gesang) und einer unserer Japanisch Dozentinnen wollte uns fast nicht los lassen.

Insgesamt sind die Klausuren hier deutlich einfacher als in Deutschland. Meistens wusste man schon exakt welche Fragestellungen dran kamen, und in Japanisch bestanden die Klausuren sogar nur aus Aufgaben aus vorherigen Hausaufgaben. In manchen Klausuren durfte man auch alle Vorlesungsmaterialien und eigene Zusammenfassungen mitbringen, was einen nicht gerade zum lernen motiviert, aber die Klausur an sich deutlich entspannter gemacht hat. Auch die Prüfungsumstände waren deutlich lässiger. Klar sollte man nicht ans Handy gehen, aber man durfte es trotzdem bei sich behalten, musste keine Uhren ausziehen, keine 2 Personen Abstand halten und man durfte die Klausuren sogar mit Bleistift ausfüllen. Das Ganze wurde einem zwar komplett auf japanisch erklärt, was einen dann schon etwas in Panik versetzt wenn man nicht alles versteht (Respekt an alle Austauschstudenten an der htw die sich dort mit dem Deutsch durchkämpfen müssen), letztendlich waren die Klausuren ein Klacks.

Als ich meine letzte Klausur abgegeben hatte bekam ich von unserem Dozenten noch ein kleines… komisches Souvenir, nämlich eine japanische Deutsch Klausur. Zuerst dachte ich, er wollte, dass ich die zusätzlich ausfülle, aber scheinbar wollte er sie mir nur geben für den Fall, dass ich es lustig finden würde. Es ist echt interessant zu sehen, was für Fragestellungen in einer Deutsch Klausur gestellt werden (lange Zahlen ausschreiben, Uhrzeit, Artikel etc), auch wenn viele Sätze so von niemandem wirklich gesagt werden würden.

Nach den Klausuren hieß es für mich dann etwas entspannen und feiern, was heißt einen Kinofilm in 4D schauen (was verdammt geil und spektakulär war, man fühlte sich wirklich wie auf einer Achterbahn in den wackelnden Sitzen), durch Bars touren, und ein All-you-can-eat Süßigkeiten Café (das zufälligerweise gerade einen Kollaboration mit einem der beliebtesten Anime gerade am laufen hatte) zu besuchen. Außerdem hatten eine Freundin und ich es uns vorgenommen mal noch eine andere Maid Café Kette in Shibuya auszuprobieren, und wir waren bei unserem Besuch die einzigen zwei Leute im gesamten Café. Eine Schicht Maids nur für sich zu haben war am Anfang ziemlich seltsam, da quasi immer jemand an unserem Tisch stand um mit uns Small Talk zu halten, aber insgesamt war es auch verdammt lustig, und ich glaube die Maids werden uns nie vergessen.

Gestern war dann die offizielle Verabschiedungsfeier der Austauschstudenten im Wohnheim, wobei es weniger eine Party war, sondern eher ein gemütliches Beisammensitzen, mit Süßigkeiten aus China, Korea, allen möglichen Ecken Japans und den Ländern der verschiedenen Austauschstudenten (ich hab hier im Supermarkt schnell noch Werthers Original und Baumkuchen gekauft). Seltsamerweise war ich die einzige die sich extrem über die finnischen Salmiakki (gesalzenes Lakritz) gefreut hatte, alle Anderen fanden sie eher eklig, wenn sie sie überhaupt runter gekriegt haben. Auch von der asiatischen Seite her gab es einige eklige Süßigkeiten (wobei diese eher auf Schärfe ausgelegt waren), aber zum Glück konnte ich mich von denen fern halten, und man ließ mich in Ruhe die Salmiakki genießen.

Heute ist hier (schon wieder) ein Feiertag, und zwar Setsubun. An diesem Tag ist es Tradition, dass sich Leute als Dämonen verkleiden, die dann von den anderen in der Gruppe mit getrockneten Bohnen abgeworfen werden, um die Dämonen, und somit das Böse, für das Jahr zu vertreiben. In unserer letzten Japanisch Stunde teilte uns unsere Dozentin sogar kleine Päckchen mit Bohnen aus, damit wir an diesem Festival richtig teilnehmen können, und deshalb fahre ich heute mal nach Asakusa (ein Stadtteil Tokyos mit haufenweise berühmter Tempel).

Mal schauen wann ich davon berichte, und was ich in meinen Ferien hier jetzt noch so alles mache. Ich habe auf jeden Fall noch einiges auf meiner To-do Liste was ich abhaken will~

LG Ines

Tag 113: Hallo und Auf Wiedersehen

FROHES NEUES JAHR!!! … auch wenn es fast 2 Wochen zu spät kommt ^^“

Tut mir leid, dass ich so lange nicht mehr gebloggt habe, ich hoffe ihr hattet alle einen guten Start in 2020 und hier ist jetzt ein kurzer Rückblick wie meine ersten Wochen des neuen Jahres waren.

Silvester selbst war relativ ruhig, wir trafen uns mit einer Gruppe aus dem Wohnheim um zusammen in einer Bar all you can drink zu machen, und feierten den Rest des Abends im Wohnheim selbst. Einige wollten unbedingt wach bleiben, um den ersten Sonnenaufgang zu sehen, aber ich entschied mich stattdessen eher für eine Runde Schlaf. Den nächsten Tag verbrachte ich zusammen mit einer Freundin, wobei wir einfach nur den ganzen Tag Filme bei ihr zuhause schauten, also alles in allem ein ziemlich gemütlicher, aber trotzdem schöner Start.

Auf unserer Neujahrs-Bar-Feier traf ich auch einige Freunde, die Leute aus dem Wohnheim hier über die Ferien besuchten, und es war ziemlich lustig, nach 4 Monaten jemandem nochmal Japan komplett neu zeigen zu können. Ich war wieder ins Kino gegangen, und direkt am nächsten Tag haben wir sowohl das Pop Up Diner, und den Pop Up Shop für den Film besucht. Der Film ist übrigens Promare, ein Anime Film der hier in Japan seit Mai am Laufen ist, über 2 Millionen$ eingenommen hat, und mich so begeistert hat, dass ich ihn am Montag direkt wieder sehen werde. Dieses Mal in einem Cheer screening, und ich freue mich wirklich extrem darauf.

Am selben Abend, wie unser Trip zum Promare Diner, habe ich auch meine erste Club Tour in Shinjuku gemacht. Im Voraus war ich wirklich ziemlich nervös, weil ich normalerweise kein großer Fan von Clubs bin, aber der Abend war wirklich verdammt schön, und wir haben sogar ein paar interessante Leute getroffen. Darunter einmal einen deutschen Reporter und Fotografen für ARD Tokyo, und sogar den Security Guard, der mir an bei meiner Ankunft geholfen hat, mich hier im Wohnheim zurechtzufinden.

Ansonsten fingen die Vorlesungen wieder an, und ich hatte auch direkt schon meine ersten Klausuren. Beide liefen relativ gut, trotzdem bin ich kein großer Fan, die Klausuren noch während der Vorlesungszeit zu schreiben. In ein paar Wochen habe ich sogar Tage, an den ich 2 Klausuren am selben Tag schreibe, und das wird definitiv stressig, aber daran versuche ich jetzt mal noch nicht zu denken.

Etwas Anderes, woran ich versuche nicht zu denken, ist der Fakt, dass es für mich bald schon wieder zurück nach Deutschland geht. Am Freitag fanden gleich 2 Abschiedsfeiern für die halbjährigen Austauschstudenten statt, eine im Chat Room, und eine die offiziell vom International Office organisiert war.

Die Abschiedsfeier im Chat Room war sehr klein und süß, wir bekamen alle Urkunden für unsere Arbeit als Chat Leader und ein kleines Foto Büchelchen mit Fotos aus den letzten Monaten von unseren Sessions und den Events. Jeder musste eine kleine Rede halten, und eine der japanischen Chat Leader hat meine gefilmt, aber ich werde mir dieses Video mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht ansehen, weil a) ich meine Stimme auf Aufnahmen hasse, b) ich meinen deutschen Akzent im Englischen hasse, und c) ich keine Ahnung hatte, dass wir etwas sagen sollten, weshalb ich mich tausendmal wiederhole.

Die offizielle Feier fand wieder in dem selben, schicken Restaurant auf dem Campus statt, in dem schon eine der Willkommensfeiern stattfand. Es gab ein tolles Buffet, die französischen Austauschstudenten performten Cohens Halleluja und es wurden wieder Reden gehalten. Es war etwas emotional, wir haben uns viel umarmt, zusammen gefeiert und Bilder gemacht. Als Abschiedspresent bekam jeder eine Aoyama Gakuin Tasse, wobei auf einer Seite das Aoyama Wappen ist, und auf der anderen Seite unser Uni Maskottchen, Eago der Adler (sehr kreativer Name, gell?), der natürlich mit Bibel dargestellt wird, denn wir dürfen ja nicht vergessen, dass die AGU eine christliche Uni ist.

Die nächste Woche wird interessant, da wegen der Klausurenphase die Vorlesungen etwas chaotisch verteilt sind, aber mal schauen.

Weil ich so lange nichts mehr gepostet habe, gibt es wieder 2 Collagen.

LG Ines

Tag 106: (Mehr oder weniger) Festliche Feiertage

Nachträglich frohe Weihnachten und einen guten Rutsch hier aus Tokyo~

Wie vorher schon angedeutet ist Weihnachten hier etwas anders als in Deutschland, was schon mal damit anfing, dass ich am 24. noch in die Uni musste. Meine deutsche Chat Session wurde zwar abgesagt, aber trotzdem durfte ich bis abends noch in Vorlesungen sitzen. Danach gönnte ich mir zum feiern aber einen Besuch bei Ikinari Steak, einer Steak Kette mit dem tollen, englischen Slogan „This is the very steak, the big cut of Steak!“. Das very Steak war sogar gar nicht mal so teuer, ging aber etwas gegen japanische Weihnachtstraditionen, da man hier an Weihnachten traditionell Hühnchen isst.

Den 25. verbrachte ich dann mit einer Freundin in Ikebukuro, weil wir einige der extra Events,zu einem unserer Lieblingsanime, besuchen wollten. Eines dieser extra Events war im Sunshine Observatory, in 240m Höhe, wo wir an einer Stempel Rallye teilnahmen, und wirklich verdammt viele dämliche Fotos mit den ausgestellten Charakteren machten. Natürlich darf etwas Shopping nicht fehlen, und wir machten sogar einen kurzen Stop an einem Indoor Freizeitpark.

An dem Abend fand auch ein Filmeabend im Wohnheim statt. Gezeigt wurde „The amazing Spider-Man 1″… und ich war die einzige die gekommen war. Selbst davon abgesehen lief der Film nicht wirklich flüssig durch, da es erst mal 40 Minuten dauerte, bis der Film endlich zum Anschauen bereit war, und dann stoppte der Film regelmäßig, weil das WLAN streikte.

Am Freitag hatte ich dann geplant, mit einer Freundin einen Tagesauslug nach Kanagawa zu machen. Dieser Trip steht immer noch aus, da der Zug nach Kanagawa scheinbar einen Unfall hatte, und wir stattdessen den Tag in Yokohama verbrachten. Hier besuchten wir kurz das Cup Noodle Museum, weshalb ich jetzt meine eigene, selbst zusammengestellte Packung Cup Noodles hab, auch wenn das Museum es mir nicht erlauben wollte, einfach keine Toppings, anstatt der verpflichteten 4, auszuwählen. Wieder draußen angekommen stellten sich die Nudeln dann zu einem kleinen Problem heraus, da es wirklich extrem windig war, und die aufgepumpte, spezielle Cup Noodle Verpackungstasche, mir beim Fotos machen mehrmals vom Wind ins Gesicht geschleudert wurde.

Von dort aus steuerten wir Yokohama’s China Town an, und verglichen mit anderen China Towns war diese wirklich echt schön, sauber und nicht so eng oder überfüllt. Es gab einen Haufen guter Restaurants, und letztendlich entschieden wir uns für ein All you can eat Restaurant, was direkt sowohl Mittag- als auch Abendessen abdeckte. Als verspätetes Weihnachtsgeschenk bekam ich ein Paar Ohrringe mit Schleifen und Regenbögen… also kurz gefasst das perfekte Paar für mich, bevor wir wieder ins Wohnheim fuhren und zusammen Anime schauten.

Heute hatte ich geplant, einen Park direkt am Wasser zu besuchen, aber wegen den Feiertagen war der Park leider geschlossen. Trotzdem machte ich einen kleinen Spaziergang am Meer entlang und das Wetter war wirklich perfekt für ein Paar (hoffentlich) hübsche Fotos.

Viel spannenderes habe ich nicht wirklich gemacht, mal schauen was Neujahr so bringt hier. Weil ich in der letzten Woche so viele Bilder gemacht habe, hab ich jetzt einfach mal 3 Collagen vorbeireitet, hoffentlich erkennt man was.

LG Ines

Tag 100: Weihnachtsmärkte im Vergleich

Es ist so seltsam, darüber nachzudenken, dass ich jetzt schon 100 Tage hier bin. Über die Hälfte meines Aufenthaltes in Tokyo ist vorüber und nach den Weihnachtsferien geht es schon direkt mit Klausuren los… anstatt mir also darüber Sorgen zu machen, ziehe ich in diesem Post lieber mal Bilanz, wie Weihnachtsmärkte in Japan repräsentiert werden und ob man hier ähnlich gut in Weihnachtsstimmung kommen kann, wie zuhause.

Meinen ersten, „deutschen“ Weihnachtsmarkt besuchte ich Freitag Abend in Yokohama, also etwas außerhalb von Tokyo. Yokohama selbst ist riesig, und ich muss definitiv nochmal hin, um die berühmt berüchtigte China Town zu besuchen, aber der hiesige Weihnachtsmarkt befand sich etwas abseits, direkt am Meer.

Die Umgebung – und vor allem ein winzig kleiner Vergnügungspark, mit beeindruckendem Riesenrad – war nachts generell wunderschön beleuchtet, weshalb ich vom Weihnachtsmarkt selbst etwas enttäuscht war. Klar, gab es auch hier haufenweise Lichterketten, und der Weihnachtsbaum war wirklich schön geschmückt, aber es wurde nirgends Weihnachtsmusik gespielt, und die Stände waren alle fast die selben. Ausgenommen von vielleicht ein oder zwei Ständen, bot jeder Stand Essen an, und die Unterschiede im Angebot zwischen den Ständen waren verschwindend gering. Generell war das Essen überall mehr als doppelt so teuer, wie man es aus Deutschland kennt (4€ für eine Brezel, 5€ für eine kleine Portion Pommes und 13€ für Gulasch im Brot), was sich auch bis zu den Getränken durchzog (ein Glühwein kostete an den meisten Ständen 8€). Die Portionsgrößen waren typisch japanisch eher klein geraten, und viele Gerichte wirkten mir einfach zu kompliziert, für einen Weihnachtsmarkt. Fast jeder Stand bot seine eigene Wurst- oder Käseplatte an, es gab winzig kleine Turkey-Legs, Garnelen Burger, und Kartoffelgratins.

Es war definitiv interessant, deutsche Sachen in Japan zu sehen, und alleine der Geruch von Glühwein reicht bei mir schon aus, um mich in Weihnachtsstimmung zu kriegen, aber davon abgesehen war die typisch herzliche Atmosphäre von normalen Weihnachtsmärkten hier schwer zu finden.

Gestern knöpfte ich mir dann noch einen Weihnachtsmarkt vor. Dieses Mal im Shiba-Park in der Nähe des Tokyo Towers, und dieser Weihnachtsmarkt gefiel mir deutlich besser. Zwar waren die Probleme, was die Preise und generelle Auswahl an Essen anbelangen, immer noch da, aber dieses Mal gab es auch eine Handvoll Stände, die nichts zu Essen oder zu Trinken anboten. In der Mitte des Platzes stand eine große Weihnachtspyramide, und aus einem Zelt kam live gesungene Weihnachts-/Disneymusik. Das alleine reichte schon aus, dass ich mich auf diesem Weihnachtsmarkt deutlich wohler fühlte, weshalb ich meinem Geldbeutel dieses Mal einen Glühwein-Kauf ersparen konnte.

Womit ich nicht gerechnet hatte, und was mir auf beiden Märkten wirklich gefehlt hatte, waren Stände die Plätzchen verkaufen, aber da viele Japaner keinen Backofen haben und somit nicht wirklich oft backen, macht das wohl Sinn.

Nach dem Weihnachtsmarkt entschloss ich mich dann, zusammen mit einer Freundin den Tokyo Tower zu besichtigen. Zwar kauften wir uns nur Tickets für das mittlere Aussichtsdeck (150m), aber auch von hier war der Ausblick schon gut genug und meine Höhenangst machte sich nur im Fahrstuhl kurz bemerkbar, da dieser mit mehreren gläsernen Fenstern ausgestattet ist, so dass man schön mitverfolgen kann wie hoch man gerade wirklich fährt.

Wieder unten angekommen, beendeten wir den Tag in Roppongi, ich noch einmal die traumhaften Lichtspiele mit ansehen konnte, wie auch die riesigen Menschenmassen, die bei meinem letzten Ausflug hier her noch nicht da waren. Außerdem habe ich es nach 3 Monaten endlich geschafft, hier eine normale Pizzeria zu finden, und ein normales Stück Pizza zu essen, was ich wirklich vermisst hatte.

Heute hieß es dann für mich früh aufstehen, da mich eine Freundin mit in eine Messe ihrer Kirche eingeladen hatte, um zusammen ein paar Weihnachtslieder zu singen. Da Weihnachtslieder singen (oder generell im Chor singen) der Teil ist, der mir hier am meisten fehlt, hatte ich mich echt gefreut, wieder außerhalb Karaoke mit Leuten zusammen singen zu können. Was mich dort aber erwartete war der größte Kulturschock den ich in Japan bis jetzt hatte.

Im Gegensatz zu unseren traditionellen Messen in echten Kirchen, war diese Messe eher nach Amerikanischen Standards ausgelegt, mit haufenweise Lichteffekten, einer Rock-Band, und Liedtexten via Video, anstatt aus Gebetbüchern. Alles war viel lockerer und hipper aufgezogen, wie ich es bis jetzt nur aus dem Fernsehen kannte. Die Leute ließen sich während den Lieder wirklich mitreißen, hoben ihre Hände in die Höhe und riefen, wann immer sie wollten, in den Predigten zustimmend dazwischen. Die gesamte Messe wurde zweisprachig abgehalten, und es waren ungefähr genauso viele Japaner wie Ausländer da.

Kurzgesagt war die Messe ziemlich überwältigend für mich, und ich weiß normale Chor Arrangements im Vergleich zu Pop-/Rock Versionen von Kirchenliedern, jetzt umso mehr zu schätzen, aber wenigstens habe ich als neuer Besucher ein kostenloses Notizbüchelchen, Tee und Kuchen abgekriegt, also hat es sich doch irgendwie gelohnt.

Abends wurde dann in unserem Wohnheim gewichtelt, und ich hatte bei der Losung echt riesiges Glück gehabt, da ich meine quasi beste Freundin hier gezogen hatte. Wir mögen so ziemlich die selben Anime und in den meisten Kpop Gruppen mögen wir die selben Member, also war es ziemlich einfach für sie ein Geschenk rauszusuchen, und sie hat sich wirklich riesig darüber gefreut. Ich selbst bekam einen Detektiv Conan Skizzierblock, also werde ich wohl wieder mit dem Zeichen anfangen müssen.

Das ganze Event hat viel Spaß gemacht, morgen treffe ich mich mit Freunden, um zusammen ins Kino zu gehen, und dann ist auch schon Weihnachten… wobei ich am 24. immer noch Vorlesungen habe, aber mal schauen wie die so gestaltet werden.

LG Ines

Tag 94: It’s beginning to look a lot like Christmas~

Okay, es tut mir leid, dass ich hier so lange nichts mehr geschrieben habe. In der Zwischenzeit ist Tokyo nur noch mehr dem Weihnachtsfeier verfallen. Überall finden Illuminations statt, man hört an jeder Ecke Weihnachtslieder und auf unserem Campus werden einige Weihnachtskonzerte veranstaltet.

Meine erste offizielle Illumination besuchte ich letzten Mittwoch in Hibiya. Nicht nur waren hier alle Bäume wunderschön beleuchtet, sondern es gab eine extra Even-Fläche, auf der eine traumhafte Lichtershow gezeigt wurde. Es hatte wirklich etwas Disney Flair, und es gab sogar Seifenblasen! Leider war es wegen dem heftigen Wind wirklich arschkalt, so dass ich danach direkt zurück ins Wohnheim fuhr.

Gestern besuchte ich hingegen das Weihnachtskonzert des Handbell Clubs unserer Uni. Statt fand das Konzert in unserer Campus-eigenen Kapelle, und ich muss wirklich sagen, es sah ziemlich schick aus, mit mehreren Gebetbüchern, in denen man Lieder aus allen möglichen Ländern finden konnte. Zwar war der Text trotzdem auf japanisch, aber ich fand es doch lustig in Japan auf „Macht hoch die Tür“, „Maria durch ein Dornwald ging“ etc zu stoßen.

Das Konzert war in 2 Teile unterteilt, ein etwas religiöserer und ein eher Hollywood orientierter. Ich war echt überrascht wie viele verschiedene Geräusche man aus einer simplen Glocke rauszaubern kann, und ich wünschte wirklich, Fotos und Videos wären erlaubt gewesen. Gegen Ende wurde es sogar etwas emotional, da sich die älteren Mitglieder des Clubs mit diesem Konzert offiziell verabschieden mussten, und die Club Leiterin unter Tränen eine Rede darüber gab, wie dankbar sie für ihre Zeit in diesem Club war.

Im Anschluss wollte ich eigentlich einen Weihnachtsmarkt hier in Tokyo besuchen, aber leider spielten meine Knie da nicht mit, weswegen es auch hier, direkt zurück ins Wohnheim, hieß.

Heute gab es ein weiteres Event in unserem Wohnheim, nämlich sollten wir zusammen Lebkuchen Häuschen bauen. Natürlich freute ich mich hierauf ziemlich, nur um dann davon enttäuscht zu werden, dass es keinen richtigen Lebkuchen gab, und wir stattdessen unsere Häuser aus wahllosen Süßigkeiten bauen sollten. Wie schwer es ist, mit dem Icing hier irgendetwas anzustellen, wusste ich noch von dem Halloween Cupcake Dokorierwettbewerb, und dieses Mal fehlte sogar der Anreiz des Disney Tickets, aber letztendlich schaffte meine Gruppe es doch, ein ganz präsentables Haus auf die Beine zu stellen. Natürlich waren wir nicht die Gewinner, aber lustig war es trotzdem.

Direkt im Anschluss traf ich mich mit Freunden aus dem Wohnheim um zusammen unsere erste Runde Dungeons&Dragons zu spielen. Ich bin mir nicht sicher ob wir uns wirklich gut angestellt haben, trotzdem bin ich froh endlich mal ein richtiges Table Top RPG gespielt zu haben, und hoffentlich kriegen wir unsere nächste Session schneller festgelegt als diese hier (wir mussten unseren Termin 3 Mal verschieben).

Großartig mehr ist nicht wirklich passiert, dafür habe ich wenigstens ein Paar hübsche Bilder parat:

LG Ines

Tag 83: Weihnachtsbäume und Kleiderträume

Irgendwie fühlt es sich so an, als ob sich diese Woche der Herbst komplett verabschiedet hat, und der Winter angekommen ist. Deswegen fand am Freitag eine besondere Zeremonie statt, um die Lichter unseres Weihnachtsbaumes anzuschalten und die generelle Weihnachtszeit einzuläuten.

Bevor es dafür aber dunkel genug war machten wir mit unserem Japanisch Kurs einen kleinen Abstecher in ein Kunstmuseum, nur 10 Minuten von unserem Campus entfernt. Ausgestellt waren überwiegend Tee-Schalen, und Löffel aus dem 18. Jahrhundert, sowie Kalligrafie und alte chinesische Weingefäße. Klar waren die Ausstellungen schön, aber ich interessierte mich eher für den weitläufigen Garten des Museums, der sogar einen eigenen kleinen Wasserfall und Tempel hatte.

Zurück am Campus bekamen wir dann mit wie sich der Chor für die Weihnachtslicher-Messe einsang, und ich hatte direkt das Bedürfnis mir selbst ein Paar Noten zu schnappen und mich schamlos einfach dazuzustellen. Auch wenn ich mich letztendlich doch dagegen entschieden hatte, war ich trotzdem fasziniert davon, zu sehen wie eine Messe auf japanisch abgehalten wird (immerhin sind wir eine katholische Uni), und der Chor war wirklich toll! Gegen Ende durfte das Publikum sogar mitsingen, wobei ich den japanischen Text von Hark the Harald Angels sing, wohl doch wahrscheinlich ziemlich vermasselt hab.

Das Hauptevent – das Einschalten des Weihnachtsbaumes – zog sich ziemlich in die Länge, weil immer nur 3 Reihen der Lichterkette auf einmal eingeschaltet wurden, bevor wieder eine neue Dankesrede kam. Trotzdem, der Baum sieht wirklich sehr schön aus, und auch der Weihnachtsbaum in unserem Wohnheim kann sich sehen lassen.

Gestern konnte ich dann einen weiteren Punkt, meiner Japan Liste abhaken, denn ich habe mein erstes Erdbeben gespürt! Bis jetzt habe ich alle Erdbeben hier schlicht verpasst, entweder weil ich geschlafen hatte, im Zug war, oder weil unser Wohnheim so erdbebensicher wie nur möglich gebaut ist, aber gestern spürte ich dann „endlich“ doch etwas. Zwar war das Erdbeben nicht besonders stark (nur eine 4,6), und ich war mir am Anfang nicht sicher, ob es wirklich ein Erdbeben ist, oder ob ich gleich umfallen würde, aber das Wackeln meiner Ketten neben mir überzeugte mich dann doch, dass es nicht an mir lag. Passiert ist nichts, es wackelte nur für ca 30 Sekunden alles ein bisschen, und dann war es das auch. Ich bin selbst etwas geschockt von mir, wie selbstverständlich ich jetzt von Taifuns und Erdbeben spreche, aber für die Japaner hier ist das wirklich nichts außergewöhnliches mehr, und ich schätze so ein bisschen färbt diese Einstellung ab.

Heute ging es dann nach der Vorlesung wieder nach Ikebukuro zum shoppen. Letzte Woche hatte ich gesehen, dass mein Lieblingsladen hier (Closetchild – ein Laden der Second Hand Lolita, und sonstige Nischen Mode verkauft) momentan einen 70% Rabatt Winter Säle hat, also musste ich das, zusammen mit einer Freundin ausnutzen! Letzte Woche ergatterte ich schon einen Rock für 100¥ und ein Shirt für 300¥, heute kamen dann zu meiner Kollektion eine Jeans für 200¥, und 2 Lolita Kleider (oder um korrekt zu sein: Jumperskirts), für 200¥ und 1500¥ hinzu. Wenn man bedenkt wie übermäßig teuer Lolita Klamotten normalerweise sind, bin ich echt verdammt froh, dass ich die Kleider hier für so billig bekomme, und noch glücklicher, dass mir die japanische Standardgröße hier perfekt passt. Beim anprobieren von verschiedenen Kleidern merkt man echt, wie unterschiedlich die Größen bei westlichen-, und japanischen Marken ausfallen.

Mein nächstes Einkaufsziel sind neue Schuhe, mal schauen wie das so laufen wird.

LG Ines

Tag 76: Film ab!

Momentan ist es in Tokyo ziemlich verregnet. Was macht man also, um sich bei grauem Himmel, Wind und sinkenden Temperaturen etwas aufzuheitern? Man schaut Filme, geht ins Theater, und natürlich besucht man mehr niedliche Cafés.

Letzten Mittwoch lud uns die Uni zur Uraufführung eines traditionellen japanischen Theaterstücks ein. Das Stück gehörte dem Kyogen Stil an, eine Mischung aus Noh (traditionelles japanisches Masken Theater) und „modernen“ Komödien, und handelte von dem japanischen Gewittergott Kaminari, der auf die Erde herabfällt und sich dort von einem betrügerischen Arzt heilen lassen muss. Abgehalten wurde das Theaterstück im Cerulean Tower Hotel, und ich war verdammt froh, dass ich mich relativ schick gemacht hatte, denn ansonsten hätte ich mich in diesem Luxus Hotel nur noch unpassender gefühlt. Es war verdammt interessant, einen Einblick in die japanische Theater- und Gesangskunst zu kriegen und am Ende bekamen wir sogar einen kleinen Workshop, wie man im Noh Stil richtig lacht.

Freitag machten wir einen kleinen Shopping Ausflug, da das Wetter wirklich extrem deprimierend war. Wir gingen in Shibuya an, und besuchten ein weiteres My Hero Academia Café, und erkundeten danach den Shopping Bereich im Tokyo Bahnhof, nämlich, um genau zu sein, die so genannte Character Street. Von den coolen Anime und Disney Shops mal abgesehen, war ich vom Tokyo Bahnhof wirklich beeindruckt, denn es erinnerte mich alles mehr an einen Flughafen, als an einen normalen Bahnhof. Lange nach etwas suchen mussten wir auch nicht, weil überall Bahnhofsangestellte rumstanden, die uns verwirrten Ausländern nur zu gerne den Weg zu den verschiedensten Läden zeigten.

Zuhause wieder angekommen verbrachte ich den restlichen Abend mit meinen Freunden im 4. Stock (wo außer mir alle AGU Studentinnen untergebracht sind), und nach einer kurzen Diskussion darüber, ob wir uns hier Frozen 2 im Kino ansehen sollen, beschlossen wir grade noch Frozen 1 spontan zusammen zu schauen. Ich rannte kurz durch den Regen, um noch ein paar Knabbersachen aus dem 7/11 zu organisieren, und dann machten wir quasi Frozen Karaoke, weil wir natürlich alle Lieder mitsingen mussten.

Samstag war ziemlich unspektakulär, aber Sonntags traute ich mich doch kurz aus meinem Zimmer raus, weil vorm Bahnhof in Musashi-Kosugi ein Streetfood-Festival abgehalten wurde. Es sollte eigentlich nur ein kurzer Trip werden, weil das Wohnheim später einen Ghibli Filmeabend veranstaltete (jetzt hab ich auch endlich mal „Das Schloss im Himmel“ gesehen), aber ich blieb dort dann doch etwas länger als geplant. Ich war überrascht wie voll alles war, und zufällig war ich gerade pünktlich für die Cheerleader Performance unseres hiesigen Basketball Teams da. Sogar das Basketball Maskottchen war da, und belustigte nach der Performance noch etwas die Kinder.

À propos Kinder, am Montag hatte ich meine erste Chat Session in der Aoyama Gakuin Grundschule. Hier in Japan dauert die Grundschule 6 Jahre, deswegen waren die meisten Kinder schon zwischen 10 und 12 Jahren alt, großartige Konversationen könnte man mit ihnen natürlich aber trotzdem nicht abhalten. Stattdessen suchte sich jeder Chat Leader ein Spiel aus, wie zum Beispiel Jenga, Galgenmännchen oder Tabu, und spielte das dann mit den Kindern auf Englisch. Meine erste Gruppe war anfangs komplett gegen das Spiel, das ich für sie eigentlich ausgesucht hatte (nämlich Shiritori, eine Art japanisches Wortspiel), also ließ ich mich von ihnen in Galgenmännchen rein reden. Davon abgesehen waren die Kinder am meisten davon fasziniert, was für ein cooles Handy ich doch hätte, wofür mein Pop Socket ist, und warum ich ein Flash T-shirt, und kein Batman T-shirt anhabe… und als diese dringenden Fragen geklärt waren konnte ich mich auch schon zurücklehnen, da meine Hilfe bei Galgenmännchen vollkommen überflüssig war.

Nächste Woche habe ich nochmal eine Grundschul-Session, mal schauen wie die so abläuft.

LG Ines

Tag 70: Hallo Herbst

Eine weitere Woche ist rum, und ich kann verkünden, dass Mitte November endlich mal der Herbst in Japan angekommen ist! Zwar sind immer noch vereinzelte Bäume grün, aber der Wind treibt die Temperaturen hier doch deutlich runter, weshalb die Weihnachtsdeko mich nicht mehr ganz so stark stört. Nur mal um zu demonstrieren wie heftig der Wind hier teilweise ist, mir wurden hier schön öfter die Kopfhörer aus den Ohren gepustet… mit nem robusten Regenschirm kann man hier recht schnell zu Marry Poppins werden.

Um nun mal etwas auf meine vergangene Woche einzugehen, am Freitag war ich zum ersten Mal in einem Fließband-Sushi Restaurant. Wir wollten uns mit ein Paar Freunden aus den Japanisch Kursen einen schönen Abend machen, und Sushi war hierfür der erste Anlaufspunkt. Alleine wäre ich definitiv nicht in ein Sushi Restaurant gegangen, aber irgendwann musste ich ja mein erstes japanisches Sushi probieren, um endlich zu wissen, ob es mir authentisch in Tokyo zubereitet in Tokyo besser schmeckt als in Deutschland. Schnelle Auflösung der Frage: Nein! Kalter, roher Fisch ist immer noch nicht mein dickster Freund, und das in Kombination mit lauwarmem Reis resultierte darin, dass ich mein eines Nigiri Sushi kaum runterbekam. Den Rest des Abends bestellte ich dann Pommes und frittiertes Huhn, und was kann ich sagen, das schmeckte mir deutlich besser!

Danach kauften wir uns ein Paar Getränke im Konbini, suchten uns ein Plätzchen an einer riesigen, beleuchteten Treppe in Shibuya, und redeten den Rest des Abends einfach über Gott und die Welt.

Samstag verbrachte ich dann wieder in Shibuya, weil ich mich mit Freunden zum Karaoke verabredet hatte. Shibuya am Wochenende ist immer noch viel zu voll (vor allem voller Touristen), aber zum Glück verbrachten wir dem Großteil des Tages in unserer Karaoke Box… und mit Großteil meine ich, dass wir wieder 6 Stunden non-stop gesungen haben.

Sonntag machte ich einen kurzen morgendlichen Ausflug nach Naka-Meguro, was mit dem Express von Musashi-Kosugi aus gesehen, eine Haltestelle vor Shibuya ist. Obwohl es ziemlich städtisch ist, ist Meguro generell etwas entspannter als Tokyos Innenstadt, und es gibt ziemlich viele kleine Cafés und ausländische Restaurants… darunter auch ein deutsches! Die Kette heißt „Schmatz“ und ist in ziemlich vielen Teilen Tokyos vertreten, nur hier in Naka-Meguro war sie quasi direkt neben dem Bahnhof, weshalb ich mich entschloss mir mal nach über 2 Monaten in Japan, endlich wieder ein gutes deutsches Mittagessen zu gönnen.

Die Speisekarte sah echt super aus, mit haufenweise Biersorten und verschiedenen Würsten, wie erwartet, aber ich entschied mich dann doch für ein klassisches Schnitzel. Eine Beilage gabs leider nicht, aber das Schnitzel an sich war wirklich gut, wenn auch etwas dünn für meinen Geschmack. Ich war etwas überrascht, dass ich die einzige Ausländerin im ganzen Restaurant war, aber trotzdem tat es gut, mal wieder etwas gewohntes zu essen.

Danach machte ich mich auf zum Meguro Sky Garten, ein kleiner Park auf dem Dach von einem Sportzentrum in Naka-Meguro. Der Garten ist echt sehr schön, und die Aussicht ist überraschend schön, wenn man es mal schafft die Haare aus den Augen zu halten weil der Wind recht hartnäckig ist.

Scheinbar war an dem Tag gerade ein Fußballspiel im Innenhof des Sky Gardens, weshalb außerhalb ein kleiner Streichelzoo mit Hasen, Meerschweinchen und Hühnern für kleine Kinder aufgebaut war. Reingekommen bin ich aber leider nicht… vielleicht weil ich kein kleines japanisches Kind bin.

Gestern war dann wieder mal ein ziemlich langer Tag, meine Chat Sessions fingen schon morgens um halb 10 an. Spaßig wars aber trotzdem, weil eine von den älteren Damen (aus meiner Shibuya Anwohner Session) Freunde in Deutschland hatte, und deswegen ab und zu das ein oder andere deutsche Wort in die Konversation rein sprenkelte. Außerdem bekam ich an dem Tag das beste Kompliment, dass ich je bekommen habe, nämlich dass mich die Frauen aus meiner Chat Session so niedlich fanden, dass sie meinten ich könnte ein Hauptcharakter in einem meiner Lieblings- Magical Girl Anime (ähnlich zu Sailor Moon) sein!

Ich beende diesen Blogpost mal mit ner Realisation die ich vor ein Paar Wochen hatte. Im 6. Stock von einem Hochhaus, was quasi direkt nebenan von meiner Uni ist, ist das japanische Büro von der Plattenfirma, unter der solche Kpop Künstler wie Psy, Big Bang und Black Pink sind. Ich bin für 2 Monate jeden Morgen daran vorbeigelaufen, und erst jetzt fällt es mir auf… na ja, wenigstens ist es mir überhaupt aufgefallen.

LG Ines

Tag 63: Nichts gemacht, und doch hoch hinaus

Aaaaaaaalso… ich habe jetzt über eine Woche nicht mehr gebloggt, bestimmt habe ich in dieser Woche irgendetwas cooles gemacht, nicht wahr? Nicht ganz, meine letzt Woche war ziemlich unspektakulär, deswegen hier nur ein paar kleine Highlights:

Ich hatte eine weitere Chat Session in der Schule hier, und nicht nur waren die Mädels diStiftzue selben wie bei meiner letzten Session, sondern sie erkannten mich auch wieder und nannten mich „Sensei“ (also quasi „Frau Lehrerin“)! Scheinbar hatte ich einen ziemlichen Eindruck hinterlassen… oder blonde Mädchen mit großen Haarschleifen stechen hier einfach etwas raus.

Mein Wochenende war auch ziemlich ruhig, da ich mich überwiegend mit lesen und Hausaufgaben machen beschäftigte… nicht gerade die spannendsten Aktivitäten. Dafür traf ich mich Samstag Mittag kurz mit ein paar Freunden hier im Wohnheim, um Charaktere für Dungeons & Dragons (ein Tabletop RPG, also quasi ein Videospiel dass man ohne Konsole, mit Papier und Stift spielt) zu erstellen. Ich habe noch nie DnD gespielt, also waren die unglaublich detaillierten Auswahlmöglichkeiten für einen Charakter am Anfang etwas überwältigend, aber ich freue mich schon auf unsere erste richtige Session.

Sonntags hatte dann einer meiner Freunde hier Geburtstag, und wir feierten, in dem wir in eine Portland, Oregon gethemte Bar in Shibuya gingen. Die Atmosphäre war schön entspannt, auch wenn die Getränke etwas teuer waren, aber mein Highlight des Abends war, dass die Bar Honig-Kölsch auf ihrer Speisekarte hatte! Also musste ich es mir natürlich bestellen (unter anderem auch, weil ich keine 10€ für ein Glas Wein ausgeben wollte), und überraschender Weise fand ich es sogar ziemlich gut. Wenn man mal bedenkt, dass ich normalerweise Bier überhaupt nicht mag, und jetzt mein erstes Kölsch in Tokyo getrunken habe, finde ich das schon ziemlich witzig.

Montags ging es dann endlich hoch hinaus für mich. Ich hatte letzte Woche schon einmal versucht in das Tokyo Metropolitan Government Building, in Shinjuku, zu kommen, denn hier muss man für die Aussichtsplattform nichts bezahlen. Da die Schlange immer ziemlich lang ist, drehte ich letzte Woche noch einmal um, aber am Montag zog ich es durch! Das Warten war sogar gar nicht mal so lange, es war nur ziemlich nervig, weil direkt hinter mir eine chinesische Reisegruppe anstand, die nicht nur verdammt laut waren, sondern auch mit jedem Schritt nach vorne neu in mich rein rempelten.

Oben, auf der Aussichtsplattform angekommen, war ich dann etwas enttäuscht. Nicht dass die Aussicht schlecht war, aber während der Wartezeit war der Himmel quasi komplett zugezogen, deswegen sind meine Bilder jetzt nicht so beeindruckend. Trotzdem ist mir diese Aussichtsplattform tausendmal lieber als das neu-eröffnete Shibuya Sky, wofür man ca 18€ Eintritt bezahlen muss, was ich mit Höhenangst nicht ganz so einsehe.

Gestern war dann nicht wirklich ein ereignisreicher Tag, sondern lediglich ein ziemlich langer Tag. Ich hatte eine deutsche Chat Session morgens, dann 3 Vorlesungen, und danach meine erste Chat Session mit Shibuya Anwohnern. Die Session an sich war cool, die 3 Leute die gekommen waren, waren zwischen 40 und 80 Jahre alt, und obwohl ihr Englisch ziemlich brüchig war, waren sie sehr enthusiastisch was Fragen stellen anging und machten sich sogar Notizen, wenn ich eine Vokabel erwähnte, die sie nicht kannten. Das einzig nicht so optimale an der Session war die Zeit: im Gegensatz zu allen anderen Session, war diese Session eine Stunde lang, weshalb ich erst um viertel nach 8 daheim war, und natürlich wieder mal die Rush Hour abbekam. Deswegen kam der Blog Post auch nicht zur „gewohnten Zeit“, weil ich gestern Abend einfach viel zu müde war, aber ich glaube es stört niemanden, wenn ich mal (für mich) morgens poste.

LG Ines

Tag 55: Feste und Feiertage

Für die Meisten hat die Woche wahrscheinlich schon angefangen, aber für mich hat das lange Wochenende gerade erst aufgehört. Heute war ein weiterer Feiertag (Tag der Kultur) in Japan, weswegen meine Vorlesungen schon wieder ausfielen, und ich glaube ich kann sagen, dass ich dieses lange Wochenende vollends ausgenutzt habe.

Den Samstag verbrachte ich überwiegend auf dem Aoyama Festival. Einige meiner Freunde nahmen an dem Auftritt des Aikido Clubs teil, also machte ich mich schon relativ früh auf zum Campus. Ich war auf das schlimmste vorbereitet gewesen, immerhin ist das Aoyama Festival das zweit beliebteste Uni Festival Tokyos, also hatte ich mit riesigen Menschenmassen gerechnet, aber um 10 Uhr morgens war alles noch relativ chillig. Die Stände waren zu 99% Essensstände (ein Stand verkaufte sogar „Deutsche Currywurst“), und ich bekam leichte Flashbacks an unser Dorffeschd… nur dass hier das Werbung machen deutlich erster genommen wird. Überall auf dem Fest wird man von anderen Studenten, Marktschreier-mäßig angeschrien, wie toll ihr Stand doch sei, woran ich mich dann doch etwas gewöhnen musste.

Vor dem Aikido Auftritt bekam ich noch ein Paar Lieder der Aoyama Acapella Gruppe mit, und ich war natürlich begeistert. Starker Bass, starkes Beatboxen, tolle Harmonien und tolle Soli… nur nicht ganz so optimal abgemischt. Trotzdem war ich von unserer Bühne doch ziemlich beeindruckt. Wir hatten sogar einen extra Bildschirm, auf dem, wie bei einem echten Konzert, die Nahaufnahmen des Kamerateams gezeigt wurden. Die Aikido Performance an sich war auch toll, wobei ich die ganze Zeit etwas abgelenkt war, da sich im Hintergrund schon der nächste Programmpunkt fertig machte. Was dieser Programmpunkt war? Der Auftritt unseres professionellen Paartanz Clubs! Ich vermisse das Tanzen hier echt total (weil niemand hier im Wohnheim auch nur nen Walzer hinkriegt), und dieser Auftritt war definitiv das Highlight meines Tages. Jedes Paar tanzte absolut fantastisch, die Kleider sahen zauberhaft aus, und die Energie war echt ansteckend. Natürlich habe ich den ganzen Auftritt gefilmt, und die Videos sind jetzt ein fester Bestandteil meiner Zugfahrten.

Nach dem Festival ging ich noch kurz nach Harajuku, um etwas im Dachgarten eines der Einkaufszentren dort zu entspannen. Die Aussicht ist wirklich toll, nur die Weihnachtsdekorationen finde ich noch etwas unpassend. Nicht weil ich denke, es wäre zu früh für Weihnachtsdeko, sondern weil sich die Temperaturen hier stabil um die 18 Grad halten, und ich, wenn ich mich in einem T-shirt draußen sonne, einfach nicht in Weihnachtsstimmung komme.

Sonntag ging es dann für mich, zum ersten Mal, nach Ikebukuro. Hier hatte gerade erst ein Pop Up Café zu einem meiner Lieblingsanime aufgemacht, und wir hatten uns eine kleine Gruppe zusammengesucht, um den Ausflug gemeinsam anzutreten. Insgesamt würde ich Ikebukuro als Mischung zwischen Akihabara und Harajuku bezeichnen: es gab haufenweise Anime und Manga Läden wie in Akihabara, und jede Menge niedlicher Mode-Shops wie in Harajuku, nur dass Ikebukuro deutlich weniger touristisch ist, als die anderen 2 Stadtteile.

Über das Café an sich könnte ich auch eine Menge erzählen, aber da ich denke, dass hier niemand großartig an My Hero Academia interessiert ist, spule ich lieber mal auf heute vor.

Da das Wetter, wie schon erwähnt, immer noch top ist, hatte ich für heute einen Ausflug in den Yoyogi Park und zum berühmten Meiji Schrein geplant. Wegen den Feiertag war ein Haufen Betrieb, weshalb ich nicht allzu lange ruhig durch den Park schlendern konnte, wie anfangs geplant. Von den Menschenmassen mal abgesehen ist Yoyogi Park aber trotzdem wunderschön, und ich hab sogar einen kleinen Auftritt eines Straßenmagiers mitverfolgen können.

Am Meiji Schrein wollte ich mich aber nicht von dem Betrieb ausbremsen lassen. Wie erwartet wimmelte es hier nur so vor Touristen, und ich traf sogar zwei Deutsche Cosplayerinnen, die ich letztes Jahr auf dem Cosplay Ball kennengelernt hatte, war aber leider etwas zu langsam um wirklich Hallo sagen zu können. Im Tempel selbst würde ich dann sofort von einem Security Guard zurück geschoben, und ich sah gleich, dass gerade eine Hochzeit im Tempel stattfand. Von einem Tourguide neben mir überhörte ich, dass die Braut einen unterschiedlichen Braut-Kimono trägt, je nachdem ob sie zum Zeitpunkt der Hochzeit Jungfrau ist, oder nicht. Während ich den Schrein erkundigte, fanden sogar noch 2 andere Hochzeiten statt, alle sehr traditionell in Kimono. Der Tempel an sich ist natürlich ziemlich beeindruckend, aber mein Glück, 3 Hochzeiten innerhalb von nicht einmal 15 Minuten zu sehen, fand ich auch nicht schlecht.

Heute mal 2 Collagen für euch:

Eine für das Aoyama Festival

Und eine für den Yoyogi Park und Meiji Schrein

LG Ines