Tag 76: Film ab!

Momentan ist es in Tokyo ziemlich verregnet. Was macht man also, um sich bei grauem Himmel, Wind und sinkenden Temperaturen etwas aufzuheitern? Man schaut Filme, geht ins Theater, und natürlich besucht man mehr niedliche Cafés.

Letzten Mittwoch lud uns die Uni zur Uraufführung eines traditionellen japanischen Theaterstücks ein. Das Stück gehörte dem Kyogen Stil an, eine Mischung aus Noh (traditionelles japanisches Masken Theater) und „modernen“ Komödien, und handelte von dem japanischen Gewittergott Kaminari, der auf die Erde herabfällt und sich dort von einem betrügerischen Arzt heilen lassen muss. Abgehalten wurde das Theaterstück im Cerulean Tower Hotel, und ich war verdammt froh, dass ich mich relativ schick gemacht hatte, denn ansonsten hätte ich mich in diesem Luxus Hotel nur noch unpassender gefühlt. Es war verdammt interessant, einen Einblick in die japanische Theater- und Gesangskunst zu kriegen und am Ende bekamen wir sogar einen kleinen Workshop, wie man im Noh Stil richtig lacht.

Freitag machten wir einen kleinen Shopping Ausflug, da das Wetter wirklich extrem deprimierend war. Wir gingen in Shibuya an, und besuchten ein weiteres My Hero Academia Café, und erkundeten danach den Shopping Bereich im Tokyo Bahnhof, nämlich, um genau zu sein, die so genannte Character Street. Von den coolen Anime und Disney Shops mal abgesehen, war ich vom Tokyo Bahnhof wirklich beeindruckt, denn es erinnerte mich alles mehr an einen Flughafen, als an einen normalen Bahnhof. Lange nach etwas suchen mussten wir auch nicht, weil überall Bahnhofsangestellte rumstanden, die uns verwirrten Ausländern nur zu gerne den Weg zu den verschiedensten Läden zeigten.

Zuhause wieder angekommen verbrachte ich den restlichen Abend mit meinen Freunden im 4. Stock (wo außer mir alle AGU Studentinnen untergebracht sind), und nach einer kurzen Diskussion darüber, ob wir uns hier Frozen 2 im Kino ansehen sollen, beschlossen wir grade noch Frozen 1 spontan zusammen zu schauen. Ich rannte kurz durch den Regen, um noch ein paar Knabbersachen aus dem 7/11 zu organisieren, und dann machten wir quasi Frozen Karaoke, weil wir natürlich alle Lieder mitsingen mussten.

Samstag war ziemlich unspektakulär, aber Sonntags traute ich mich doch kurz aus meinem Zimmer raus, weil vorm Bahnhof in Musashi-Kosugi ein Streetfood-Festival abgehalten wurde. Es sollte eigentlich nur ein kurzer Trip werden, weil das Wohnheim später einen Ghibli Filmeabend veranstaltete (jetzt hab ich auch endlich mal „Das Schloss im Himmel“ gesehen), aber ich blieb dort dann doch etwas länger als geplant. Ich war überrascht wie voll alles war, und zufällig war ich gerade pünktlich für die Cheerleader Performance unseres hiesigen Basketball Teams da. Sogar das Basketball Maskottchen war da, und belustigte nach der Performance noch etwas die Kinder.

À propos Kinder, am Montag hatte ich meine erste Chat Session in der Aoyama Gakuin Grundschule. Hier in Japan dauert die Grundschule 6 Jahre, deswegen waren die meisten Kinder schon zwischen 10 und 12 Jahren alt, großartige Konversationen könnte man mit ihnen natürlich aber trotzdem nicht abhalten. Stattdessen suchte sich jeder Chat Leader ein Spiel aus, wie zum Beispiel Jenga, Galgenmännchen oder Tabu, und spielte das dann mit den Kindern auf Englisch. Meine erste Gruppe war anfangs komplett gegen das Spiel, das ich für sie eigentlich ausgesucht hatte (nämlich Shiritori, eine Art japanisches Wortspiel), also ließ ich mich von ihnen in Galgenmännchen rein reden. Davon abgesehen waren die Kinder am meisten davon fasziniert, was für ein cooles Handy ich doch hätte, wofür mein Pop Socket ist, und warum ich ein Flash T-shirt, und kein Batman T-shirt anhabe… und als diese dringenden Fragen geklärt waren konnte ich mich auch schon zurücklehnen, da meine Hilfe bei Galgenmännchen vollkommen überflüssig war.

Nächste Woche habe ich nochmal eine Grundschul-Session, mal schauen wie die so abläuft.

LG Ines

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