Irgendwie fühlt es sich so an, als ob sich diese Woche der Herbst komplett verabschiedet hat, und der Winter angekommen ist. Deswegen fand am Freitag eine besondere Zeremonie statt, um die Lichter unseres Weihnachtsbaumes anzuschalten und die generelle Weihnachtszeit einzuläuten.
Bevor es dafür aber dunkel genug war machten wir mit unserem Japanisch Kurs einen kleinen Abstecher in ein Kunstmuseum, nur 10 Minuten von unserem Campus entfernt. Ausgestellt waren überwiegend Tee-Schalen, und Löffel aus dem 18. Jahrhundert, sowie Kalligrafie und alte chinesische Weingefäße. Klar waren die Ausstellungen schön, aber ich interessierte mich eher für den weitläufigen Garten des Museums, der sogar einen eigenen kleinen Wasserfall und Tempel hatte.
Zurück am Campus bekamen wir dann mit wie sich der Chor für die Weihnachtslicher-Messe einsang, und ich hatte direkt das Bedürfnis mir selbst ein Paar Noten zu schnappen und mich schamlos einfach dazuzustellen. Auch wenn ich mich letztendlich doch dagegen entschieden hatte, war ich trotzdem fasziniert davon, zu sehen wie eine Messe auf japanisch abgehalten wird (immerhin sind wir eine katholische Uni), und der Chor war wirklich toll! Gegen Ende durfte das Publikum sogar mitsingen, wobei ich den japanischen Text von Hark the Harald Angels sing, wohl doch wahrscheinlich ziemlich vermasselt hab.
Das Hauptevent – das Einschalten des Weihnachtsbaumes – zog sich ziemlich in die Länge, weil immer nur 3 Reihen der Lichterkette auf einmal eingeschaltet wurden, bevor wieder eine neue Dankesrede kam. Trotzdem, der Baum sieht wirklich sehr schön aus, und auch der Weihnachtsbaum in unserem Wohnheim kann sich sehen lassen.
Gestern konnte ich dann einen weiteren Punkt, meiner Japan Liste abhaken, denn ich habe mein erstes Erdbeben gespürt! Bis jetzt habe ich alle Erdbeben hier schlicht verpasst, entweder weil ich geschlafen hatte, im Zug war, oder weil unser Wohnheim so erdbebensicher wie nur möglich gebaut ist, aber gestern spürte ich dann „endlich“ doch etwas. Zwar war das Erdbeben nicht besonders stark (nur eine 4,6), und ich war mir am Anfang nicht sicher, ob es wirklich ein Erdbeben ist, oder ob ich gleich umfallen würde, aber das Wackeln meiner Ketten neben mir überzeugte mich dann doch, dass es nicht an mir lag. Passiert ist nichts, es wackelte nur für ca 30 Sekunden alles ein bisschen, und dann war es das auch. Ich bin selbst etwas geschockt von mir, wie selbstverständlich ich jetzt von Taifuns und Erdbeben spreche, aber für die Japaner hier ist das wirklich nichts außergewöhnliches mehr, und ich schätze so ein bisschen färbt diese Einstellung ab.
Heute ging es dann nach der Vorlesung wieder nach Ikebukuro zum shoppen. Letzte Woche hatte ich gesehen, dass mein Lieblingsladen hier (Closetchild – ein Laden der Second Hand Lolita, und sonstige Nischen Mode verkauft) momentan einen 70% Rabatt Winter Säle hat, also musste ich das, zusammen mit einer Freundin ausnutzen! Letzte Woche ergatterte ich schon einen Rock für 100¥ und ein Shirt für 300¥, heute kamen dann zu meiner Kollektion eine Jeans für 200¥, und 2 Lolita Kleider (oder um korrekt zu sein: Jumperskirts), für 200¥ und 1500¥ hinzu. Wenn man bedenkt wie übermäßig teuer Lolita Klamotten normalerweise sind, bin ich echt verdammt froh, dass ich die Kleider hier für so billig bekomme, und noch glücklicher, dass mir die japanische Standardgröße hier perfekt passt. Beim anprobieren von verschiedenen Kleidern merkt man echt, wie unterschiedlich die Größen bei westlichen-, und japanischen Marken ausfallen.
Mein nächstes Einkaufsziel sind neue Schuhe, mal schauen wie das so laufen wird.

LG Ines