Tag 100: Weihnachtsmärkte im Vergleich

Es ist so seltsam, darüber nachzudenken, dass ich jetzt schon 100 Tage hier bin. Über die Hälfte meines Aufenthaltes in Tokyo ist vorüber und nach den Weihnachtsferien geht es schon direkt mit Klausuren los… anstatt mir also darüber Sorgen zu machen, ziehe ich in diesem Post lieber mal Bilanz, wie Weihnachtsmärkte in Japan repräsentiert werden und ob man hier ähnlich gut in Weihnachtsstimmung kommen kann, wie zuhause.

Meinen ersten, „deutschen“ Weihnachtsmarkt besuchte ich Freitag Abend in Yokohama, also etwas außerhalb von Tokyo. Yokohama selbst ist riesig, und ich muss definitiv nochmal hin, um die berühmt berüchtigte China Town zu besuchen, aber der hiesige Weihnachtsmarkt befand sich etwas abseits, direkt am Meer.

Die Umgebung – und vor allem ein winzig kleiner Vergnügungspark, mit beeindruckendem Riesenrad – war nachts generell wunderschön beleuchtet, weshalb ich vom Weihnachtsmarkt selbst etwas enttäuscht war. Klar, gab es auch hier haufenweise Lichterketten, und der Weihnachtsbaum war wirklich schön geschmückt, aber es wurde nirgends Weihnachtsmusik gespielt, und die Stände waren alle fast die selben. Ausgenommen von vielleicht ein oder zwei Ständen, bot jeder Stand Essen an, und die Unterschiede im Angebot zwischen den Ständen waren verschwindend gering. Generell war das Essen überall mehr als doppelt so teuer, wie man es aus Deutschland kennt (4€ für eine Brezel, 5€ für eine kleine Portion Pommes und 13€ für Gulasch im Brot), was sich auch bis zu den Getränken durchzog (ein Glühwein kostete an den meisten Ständen 8€). Die Portionsgrößen waren typisch japanisch eher klein geraten, und viele Gerichte wirkten mir einfach zu kompliziert, für einen Weihnachtsmarkt. Fast jeder Stand bot seine eigene Wurst- oder Käseplatte an, es gab winzig kleine Turkey-Legs, Garnelen Burger, und Kartoffelgratins.

Es war definitiv interessant, deutsche Sachen in Japan zu sehen, und alleine der Geruch von Glühwein reicht bei mir schon aus, um mich in Weihnachtsstimmung zu kriegen, aber davon abgesehen war die typisch herzliche Atmosphäre von normalen Weihnachtsmärkten hier schwer zu finden.

Gestern knöpfte ich mir dann noch einen Weihnachtsmarkt vor. Dieses Mal im Shiba-Park in der Nähe des Tokyo Towers, und dieser Weihnachtsmarkt gefiel mir deutlich besser. Zwar waren die Probleme, was die Preise und generelle Auswahl an Essen anbelangen, immer noch da, aber dieses Mal gab es auch eine Handvoll Stände, die nichts zu Essen oder zu Trinken anboten. In der Mitte des Platzes stand eine große Weihnachtspyramide, und aus einem Zelt kam live gesungene Weihnachts-/Disneymusik. Das alleine reichte schon aus, dass ich mich auf diesem Weihnachtsmarkt deutlich wohler fühlte, weshalb ich meinem Geldbeutel dieses Mal einen Glühwein-Kauf ersparen konnte.

Womit ich nicht gerechnet hatte, und was mir auf beiden Märkten wirklich gefehlt hatte, waren Stände die Plätzchen verkaufen, aber da viele Japaner keinen Backofen haben und somit nicht wirklich oft backen, macht das wohl Sinn.

Nach dem Weihnachtsmarkt entschloss ich mich dann, zusammen mit einer Freundin den Tokyo Tower zu besichtigen. Zwar kauften wir uns nur Tickets für das mittlere Aussichtsdeck (150m), aber auch von hier war der Ausblick schon gut genug und meine Höhenangst machte sich nur im Fahrstuhl kurz bemerkbar, da dieser mit mehreren gläsernen Fenstern ausgestattet ist, so dass man schön mitverfolgen kann wie hoch man gerade wirklich fährt.

Wieder unten angekommen, beendeten wir den Tag in Roppongi, ich noch einmal die traumhaften Lichtspiele mit ansehen konnte, wie auch die riesigen Menschenmassen, die bei meinem letzten Ausflug hier her noch nicht da waren. Außerdem habe ich es nach 3 Monaten endlich geschafft, hier eine normale Pizzeria zu finden, und ein normales Stück Pizza zu essen, was ich wirklich vermisst hatte.

Heute hieß es dann für mich früh aufstehen, da mich eine Freundin mit in eine Messe ihrer Kirche eingeladen hatte, um zusammen ein paar Weihnachtslieder zu singen. Da Weihnachtslieder singen (oder generell im Chor singen) der Teil ist, der mir hier am meisten fehlt, hatte ich mich echt gefreut, wieder außerhalb Karaoke mit Leuten zusammen singen zu können. Was mich dort aber erwartete war der größte Kulturschock den ich in Japan bis jetzt hatte.

Im Gegensatz zu unseren traditionellen Messen in echten Kirchen, war diese Messe eher nach Amerikanischen Standards ausgelegt, mit haufenweise Lichteffekten, einer Rock-Band, und Liedtexten via Video, anstatt aus Gebetbüchern. Alles war viel lockerer und hipper aufgezogen, wie ich es bis jetzt nur aus dem Fernsehen kannte. Die Leute ließen sich während den Lieder wirklich mitreißen, hoben ihre Hände in die Höhe und riefen, wann immer sie wollten, in den Predigten zustimmend dazwischen. Die gesamte Messe wurde zweisprachig abgehalten, und es waren ungefähr genauso viele Japaner wie Ausländer da.

Kurzgesagt war die Messe ziemlich überwältigend für mich, und ich weiß normale Chor Arrangements im Vergleich zu Pop-/Rock Versionen von Kirchenliedern, jetzt umso mehr zu schätzen, aber wenigstens habe ich als neuer Besucher ein kostenloses Notizbüchelchen, Tee und Kuchen abgekriegt, also hat es sich doch irgendwie gelohnt.

Abends wurde dann in unserem Wohnheim gewichtelt, und ich hatte bei der Losung echt riesiges Glück gehabt, da ich meine quasi beste Freundin hier gezogen hatte. Wir mögen so ziemlich die selben Anime und in den meisten Kpop Gruppen mögen wir die selben Member, also war es ziemlich einfach für sie ein Geschenk rauszusuchen, und sie hat sich wirklich riesig darüber gefreut. Ich selbst bekam einen Detektiv Conan Skizzierblock, also werde ich wohl wieder mit dem Zeichen anfangen müssen.

Das ganze Event hat viel Spaß gemacht, morgen treffe ich mich mit Freunden, um zusammen ins Kino zu gehen, und dann ist auch schon Weihnachten… wobei ich am 24. immer noch Vorlesungen habe, aber mal schauen wie die so gestaltet werden.

LG Ines

Hinterlasse einen Kommentar