Für die Meisten hat die Woche wahrscheinlich schon angefangen, aber für mich hat das lange Wochenende gerade erst aufgehört. Heute war ein weiterer Feiertag (Tag der Kultur) in Japan, weswegen meine Vorlesungen schon wieder ausfielen, und ich glaube ich kann sagen, dass ich dieses lange Wochenende vollends ausgenutzt habe.
Den Samstag verbrachte ich überwiegend auf dem Aoyama Festival. Einige meiner Freunde nahmen an dem Auftritt des Aikido Clubs teil, also machte ich mich schon relativ früh auf zum Campus. Ich war auf das schlimmste vorbereitet gewesen, immerhin ist das Aoyama Festival das zweit beliebteste Uni Festival Tokyos, also hatte ich mit riesigen Menschenmassen gerechnet, aber um 10 Uhr morgens war alles noch relativ chillig. Die Stände waren zu 99% Essensstände (ein Stand verkaufte sogar „Deutsche Currywurst“), und ich bekam leichte Flashbacks an unser Dorffeschd… nur dass hier das Werbung machen deutlich erster genommen wird. Überall auf dem Fest wird man von anderen Studenten, Marktschreier-mäßig angeschrien, wie toll ihr Stand doch sei, woran ich mich dann doch etwas gewöhnen musste.
Vor dem Aikido Auftritt bekam ich noch ein Paar Lieder der Aoyama Acapella Gruppe mit, und ich war natürlich begeistert. Starker Bass, starkes Beatboxen, tolle Harmonien und tolle Soli… nur nicht ganz so optimal abgemischt. Trotzdem war ich von unserer Bühne doch ziemlich beeindruckt. Wir hatten sogar einen extra Bildschirm, auf dem, wie bei einem echten Konzert, die Nahaufnahmen des Kamerateams gezeigt wurden. Die Aikido Performance an sich war auch toll, wobei ich die ganze Zeit etwas abgelenkt war, da sich im Hintergrund schon der nächste Programmpunkt fertig machte. Was dieser Programmpunkt war? Der Auftritt unseres professionellen Paartanz Clubs! Ich vermisse das Tanzen hier echt total (weil niemand hier im Wohnheim auch nur nen Walzer hinkriegt), und dieser Auftritt war definitiv das Highlight meines Tages. Jedes Paar tanzte absolut fantastisch, die Kleider sahen zauberhaft aus, und die Energie war echt ansteckend. Natürlich habe ich den ganzen Auftritt gefilmt, und die Videos sind jetzt ein fester Bestandteil meiner Zugfahrten.
Nach dem Festival ging ich noch kurz nach Harajuku, um etwas im Dachgarten eines der Einkaufszentren dort zu entspannen. Die Aussicht ist wirklich toll, nur die Weihnachtsdekorationen finde ich noch etwas unpassend. Nicht weil ich denke, es wäre zu früh für Weihnachtsdeko, sondern weil sich die Temperaturen hier stabil um die 18 Grad halten, und ich, wenn ich mich in einem T-shirt draußen sonne, einfach nicht in Weihnachtsstimmung komme.
Sonntag ging es dann für mich, zum ersten Mal, nach Ikebukuro. Hier hatte gerade erst ein Pop Up Café zu einem meiner Lieblingsanime aufgemacht, und wir hatten uns eine kleine Gruppe zusammengesucht, um den Ausflug gemeinsam anzutreten. Insgesamt würde ich Ikebukuro als Mischung zwischen Akihabara und Harajuku bezeichnen: es gab haufenweise Anime und Manga Läden wie in Akihabara, und jede Menge niedlicher Mode-Shops wie in Harajuku, nur dass Ikebukuro deutlich weniger touristisch ist, als die anderen 2 Stadtteile.
Über das Café an sich könnte ich auch eine Menge erzählen, aber da ich denke, dass hier niemand großartig an My Hero Academia interessiert ist, spule ich lieber mal auf heute vor.
Da das Wetter, wie schon erwähnt, immer noch top ist, hatte ich für heute einen Ausflug in den Yoyogi Park und zum berühmten Meiji Schrein geplant. Wegen den Feiertag war ein Haufen Betrieb, weshalb ich nicht allzu lange ruhig durch den Park schlendern konnte, wie anfangs geplant. Von den Menschenmassen mal abgesehen ist Yoyogi Park aber trotzdem wunderschön, und ich hab sogar einen kleinen Auftritt eines Straßenmagiers mitverfolgen können.
Am Meiji Schrein wollte ich mich aber nicht von dem Betrieb ausbremsen lassen. Wie erwartet wimmelte es hier nur so vor Touristen, und ich traf sogar zwei Deutsche Cosplayerinnen, die ich letztes Jahr auf dem Cosplay Ball kennengelernt hatte, war aber leider etwas zu langsam um wirklich Hallo sagen zu können. Im Tempel selbst würde ich dann sofort von einem Security Guard zurück geschoben, und ich sah gleich, dass gerade eine Hochzeit im Tempel stattfand. Von einem Tourguide neben mir überhörte ich, dass die Braut einen unterschiedlichen Braut-Kimono trägt, je nachdem ob sie zum Zeitpunkt der Hochzeit Jungfrau ist, oder nicht. Während ich den Schrein erkundigte, fanden sogar noch 2 andere Hochzeiten statt, alle sehr traditionell in Kimono. Der Tempel an sich ist natürlich ziemlich beeindruckend, aber mein Glück, 3 Hochzeiten innerhalb von nicht einmal 15 Minuten zu sehen, fand ich auch nicht schlecht.
Heute mal 2 Collagen für euch:
Eine für das Aoyama Festival

Und eine für den Yoyogi Park und Meiji Schrein

LG Ines