Tag 20: Tagesausflug nach Korea

… oder na ja, nicht ganz. Heute erkundeten wir Shin-Ōkubo, also Tokyos Korea-Town. Wie erwartet gab es hier haufenweise koreanische Restaurants und sonstige Läden, darunter auch viele mit Kpop Merchandise. Die Details darüber, wie toll und überwältigend diese Läden waren, erspare ich euch hier mal, aber ein interessantes Detail ist mir doch aufgefallen: einer dieser Läden hatte eine eigene Accessoires und Kleider-Abteilung, und seltsamerweise war eine der Schaufensterpuppen mit einer stinknormalen DM Tasche dekoriert. Ob die Tasche da rein zufällig gelandet ist, oder ob man wirklich gedacht hat, dass jeder Look durch eine stylische DM Tasche hervorgehoben wird, konnte ich leider nicht herausfinden, lustig fand ich’s aber trotzdem.

Auch lustig fand ich, dass mir zu meinem Korean Fried Chicken mittags ein Paar Plastikhandschuhe gereicht wurde. Einerseits natürlich clever, aber andererseits sah ich schon ziemlich lustig aus, da mir die Handschuhe viel zu groß waren.

Einen kleinen Tempel fanden wir zwischen dem ganzen Korea-Gewusel auch noch, jedoch war der Eintritt leider verboten, also haben wir uns mit unseren Fotos eher auf die Schreine davor konzentriert.

Um noch kurz auf gestern zurück zu kommen, der Kanji Test lief super, wobei ich nicht denke, dass es noch lange so einfach bleiben wird. Hausaufgaben kriegen wir hier wirklich viele, aber auch das ist noch relativ harmlos: für nächste Woche sollen wir zum Beispiel unser eigenes Kanji designen, und eine kurze Präsentation zu einer Sache vorbereiten, die etwas mit Japanischer Kultur zu tun hat. Noch habe ich keine Ahnung, was ich vorstellen werde, und wenn mir bis nächste Woche noch nichts eingefallen ist, stelle ich einfach meine Maid Café Karte vor, aber mal sehen ob ich vorher nicht noch was besseres finde,

Morgen findet eine weitere Willkommen-Party hier im Wohnheim statt, also schauen wir mal, was ich davon berichten werde.

LG Ines

Tag 18: Die Magie hinter Maid Cafés

Woohoo, ein weiter Punk meiner Japan-To-Do-Liste konnte abgehakt werden. Gestern beschloss ich, mich mit einer Freundin wieder nach Akihabara zu wagen. Wir durchforsteten einige tolle Anime Läden (sogar einen mit 9 fucking Stockwerken), und um den Abend schön ausklingen zu lassen, nachdem uns die riesige Menge an Merchandise wieder mal überwältigt hatte, beschlossen wir endlich eines der vielen, berühmt berüchtigten Maid Cafés zu besuchen. Und im Ernst, es dürfte wohl jedem klar gewesen sein, dass es nicht lange dauern würde, bis es mich hier zu den Maid Cafés zieht.

Anfangs waren wir ziemlich nervös, immerhin sind Maid Cafés nicht gerade etwas, was man außerhalb von Japan wirklich authentisch nachempfinden kann. Klar, hat so ziemlich jede deutsche Anime Convention ihren eigenen Maid Café Abklatsch, aber das hier war nochmal etwas ganz Anderes.

Erstens, das Café (namens @home, falls es irgendjemanden interessiert) erstreckte sich über insgesamt 6 Stockwerke: 5 davon dienten als wirkliche Cafés, die alle leicht unterschiedlich dekoriert waren, wobei wir uns bei unserer Auswahl nur darauf konzentriert hatten, auf welchem Stickwerk am wenigsten Betrieb war. Wir standen nur ganz kurz an, und wurden dann relativ sofort einem Tisch, und einer Maid zugewiesen. Zu unserer Überraschung bekamen wir auch sofort unsere „Princess License“ ausgehändigt: eine Treuekarte, als Belohnung dafür, dass wir so tolle Meister – oder in unserem Fall, Prinzessinnen – waren. Diese Karten gibt es auf verschiedenen Leveln, nach 5 Besuchen kriegt man eine Silber-Karte, nach 50 eine in Gold, und für wirklich verrückte gibt es auch eine Karte ab 5000 Besuchen, die einem quasi komplett freien Eintritt beschert. Letzteres ist jetzt nicht unbedingt mein angestrebtes Ziel, aber einen eigenen Prinzessinnen Ausweis zu haben fühlt sich doch leicht cool an.

Was das interagieren mit den Maids angeht war alles kein Problem. Wir hatten damit gerechnet, dass man sich eventuell nicht gut verständigen kann, oder dass die Riesen Portion Kitsch doch etwas seltsam für uns wäre, aber stattdessen lieg alles glatt und man hat sich direkt willkommen gefühlt. Ich würde den Effekt fast mit Disneyland vergleichen; kaum dass man ankommt und sich etwas auf die Maids einlässt fällt sämtlicher Stress einfach von einem ab… oder wird zumindest unter einer Tonne rosa Glitzer begraben.

Die Kommunikation auf Japanisch funktionierte ziemlich gut, zwei Mal bekamen wir von den Maids dafür Komplimente, wobei ich mir nicht sicher bin, ob nicht jeder Ausländer, der ein bis zwei Worte Japanisch kann, dieses Kompliment bekommt. Für den Fall der Fälle arbeitet aber auch eine Amerikanerin als Maid dort, die sich noch kurz auf Englisch mit uns unterhalten hatte.

Als Souvenir bekamen wir ein verziertes Polaroid mit je einer der Maids, und wir bekamen sogar noch eine Gesang- und Tanzeinlage der Maids zu sehen, als sie ihren neusten Song Aikome Forever performten (von dem ich immer noch einen Ohrwurm habe).

Auf unserem Weg raus machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp im 2. Stock, denn hier befand sich ein eigener Souvenir Laden, in dem man die Songs aus dem Café, selbst gemachtes Blaubeer-Popcorn, und natürlich haufenweise Bilder von den verschiedenen Maids kaufen konnte.

Heute war im Vergleich dazu ein relativ langweiliger Tag. Einer meiner Dozenten hatte sich leicht beim Alter seiner Studenten verschätzt, denn er war der festen Überzeugung, dass wir alle viel zu jung waren um 9/11 miterlebt zu haben, und ich hatte ein Vorstellungsgespräch um eventuell hier bald als English Chat-Leader arbeiten zu können. Ob ich wirklich genommen wurde erfahre ich am Montag, bis dahin bleibe ich mal gespannt, und konzentriere mich lieber auf den ersten Kanji-Test, den ich morgen schreibe.

LG Ines

Tag 16: Mich hat’s erwischt…

… und das nicht nur einmal. Nachdem ich über das lange Wochenende hier einige Parks erkundet hatte, haben scheinbar einige Stechmücken mich ausfindig gemacht, und mir 7 juckende Stiche beschert. Juhu…

Aber mal davon abgesehen gab es in den letzten 2 Tagen durchaus auch gute Neuigkeiten. Obwohl ein neuer Taifun sich auf den Wetterkarten abgezeichnet hatte, wurden wir hier überwiegend verschont. Der Sturm zog eher an der Ostküste hoch nach Hokkaido, für uns bedeutete der Taifun lediglich einen scheiß Haufen Wind. Man musste sich beim Laufen wirklich aktiv gegen den Wind lehnen, um nicht wild von Seite zu Seite gezogen zu werden, und zum ersten Mal bereute ich, dass ich keine kurzen Hosen eingepackt hatte. Stattdessen musste ich mich entscheiden, welcher meiner Röcke am wenigsten dazu tendiert hoch zu fliegen, wobei ich nach genau 3 Schritten draußen mich doch für lange Jeans entschied (obwohl es draußen 30 Grad waren), die dem Wind deutlich besser trotzen konnten.

Mein eigentlicher Plan für den Feiertag gestern war, den Park in Tamagawa wieder zu besuchen, aber zum einem war es doch ziemlich anstrengend, bei dem Wind überhaupt irgendwo hin zu kommen, und zum anderen musste ich leider feststellen, dass sich die Sole meiner Schuhe aufzulösen begann. Also drehte ich prompt wieder um, und der Ausflug nach Tamagawa am Tag bleibt weiterhin auf meiner To-do Liste.

Heute ging es dann wieder an die Uni. Zuerst hatte ich einen Japanisch Kurs, wo uns mitunter erklärt wurde, wie die Japanisch Kurse hier aufgebaut sind (Montags Hörverstehen, Dienstags Sprechen, Mittwochs Lesen, und Freitags Schreiben). Während hier die Kursgröße wieder recht klein war (und wir unsere Dozentin damit schockten, dass man in Deutschland ab 16 schon Alkohol trinken darf), schaltete der nächste Kurs eher auf Kontrastprogramm. Introduction to Communication war mein erster Kurs mit über 200 Teilnehmern, und während das in Deutschland für mich ein absoluter Alptraum wäre, zeigte sich hier wieder, wie diszipliniert Japaner doch sind, denn es war die ganze Zeit angenehm mucksmäuschenstill.

In den nächsten Tagen werde ich herausfinden müssen, wie man sich schwüler Hitze draußen, und Klimaanlangen-Frost drinnen kleidertechnisch anpasst, denn während ich in meinem, für 30 Grad geplanten, Outfit herumzitterte, beschwerten sich die Japanischen Studenten um mich herum darüber, wie heiß es in diesem Raum doch sei.

Heute wieder keine Collage, die nächste folgt, wenn ich wieder irgendetwas interessantes fotografiert habe.

LG Ines

Tag 14: Karaoke und Tempel bei Nacht

Dieses Wochenende konnte ich 3 Punkte meiner „Japan-to-do-Liste“ abhaken:

Gestern war der große Karaoke Tag, und da die Preise nach 8 drastisch ansteigen, begannen wir unsere Session schon und 14 Uhr. Die meisten Karaoke Räume berechnen ihre Preise in 30 Minuten Intervallen, wir hingegen buchten die „Free Time“ Option, wodurch wir insgesamt 6 Stunden lang, mit (nicht alkoholischem) All-you-can-Drink, alle möglichen Lieder rauf und runter sangen.

Unser größtes Problem hierbei war das Tablet, über das man die Songs auswählen konnte. Es war nicht möglich zu scrollen, und eine Leerzeichen Taste suchten wir auch vergebens, aber letztendlich ließen wir uns dadurch nicht stören und machten uns lieber über die Musikvideos lustig, die anstelle der Originale liefen um kein Copyright zu verletzen. Manchmal bestanden die Videos aus schönen Landschaftsaufnahmen, oder coolen Tanzaufnahmen… öfter kam es jedoch vor dass gezeigt wurde wie ein Typ sich wahllos im Wald, oder mitten auf dem Bürgersteig hinlegte, nur um melancholisch in den Himmel zu starren. Lediglich manche Anime Songs waren mit den passenden Original Musikvideos versehen. Zudem waren wir ziemlich überrascht, dass das Mikrofon einen eingebauten Bewegungssensor hatte, weswegen periodisch auf dem Bildschirm angezeigt wurde, wie viele Kalorien man durchs Singen verbrannt hatte.

Wie erwartet machte das Karaoke hier verdammt viel Spaß, und eine Liste mit Liedern fürs nächste Mal ist schon angelegt.

Nachdem sich das Karaoke etwas in die Länge gezogen hatte, gingen wir noch zusammen essen, und ich konnte zum ersten Mal japanisches Curry probieren, und ich bin froh, dass wir gleich 2 Filialen von CoCo Curry in Musashi Kosugi haben, denn ich denke ich werde da noch ziemlich oft hingehen.

Heute ließ ich es wieder etwas langsamer angehen, und beschloss erst relativ spät, einen der Nachbarorte namens Tamagawa zu erkunden. Tamagawa war das Dorf-ähnlichste was ich bis jetzt in Tokyo gefunden habe. Keine Hochhäuser, nur kleine Straßen, reichlich Grün und ein seeeeeeeeehr hübscher Tempel, sogar mit eigener Aussichtsplattform. Glücklicherweise kam ich grade noch rechtzeitig an, um kurz alles zu erkunden, die traditionelle Musik (die etwas untradionell aus dem Lautsprecher kam) zu genießen, und ein kurzes Gebet vor dem Opferkasten loszuwerden, bevor der Tempel auch schon geschlossen wurde.

Direkt um die Ecke des Tempels befand sich der Tamagawadai-Park, und hierhin muss ich unbedingt tagsüber nochmal wiederkommen! Der Park ist riesig, und wirklich wunderschön. An dieser Stelle muss ich mal kurz die Kamera meines Handys loben, ich hätte nicht gedacht, dass man auf den Bildern etwas sehen würde, aber stattdessen sind die Bilder qualitätstechnisch super, und es sieht sogar heller aus, als es wirklich war, komplett ohne Blitz.

Da ich mir doch etwas komisch vorkam, im Dunkeln und bei Regen alleine diesen riesigen Park zu erkunden, während keine Menschenseele um mich herum zu sehen ist, werde ich wohl, sobald das Wetter etwas besser ist, direkt noch einmal nach Tamagawa fahren, immerhin braucht man mit dem Zug nur knapp 5 Minuten, bis man dort ist.

Genauere Pläne für morgen habe ich noch nicht, da ich nicht weiß ob die Geschäfte hier auch an Feiertagen alle geöffnet haben, und zudem soll es den ganzen Tag regnen, aber sobald ich wieder etwas interessantes zu berichten habe, melde ich mich.

LG Ines

Tag 12: Jetzt gehts los!

Irgendwann musste es ja soweit sein: Die Vorlesungen haben hier in Japan angefangen. Wobei wir nach einem Tag Vorlesungen auch schon direkt mit einem langen Wochenende beglückt werden, denn am Montag ist schon wieder ein Feiertag.

Nachdem ich gestern endlich zur Htw durchgekommen war und bestätigt bekam, dass ich meine Kurse ruhig buchen kann (wobei ich das Learning Agreement trotzdem neu ausfüllen und unterschreiben lassen muss), war ich ziemlich gespannt, was der erste Vorlesungstag so bringen würde. Und ich hätte auch prompt fast meine erste Vorlesung verpasst, da ich gekonnt ausgeblendet hatte, dass ich heute noch etwas anderes habe, als nur Japanisch Kurse. Glücklicherweise schaffte ich es doch noch 10 Minuten zu früh an der Uni zu sein, und die Vorlesung, zum Thema Entrepreneurial Management, war ziemlich interessant. Unser Dozent war Amerikaner – mit dem Englisch hatte ich also folglich keine Probleme – und typisch Amerikaner natürlich hoch motiviert, aus uns allen irgendwann Gründer zu machen… oder zumindest uns dazu zu bringen, wie Gründer zu denken.

Zudem war ich überrascht, wie klein die Kurse hier (noch) sind. Wir waren höchstens 13 Leute, und ich hätte nicht gedacht, dass die Klassengrößen in einer Metropole wie Tokyo kleiner sein könnten als an unserem kaffigen Htw Campus. Beschweren tue ich mich deshalb aber keineswegs, mir sind solche kleinen, intimen Gruppen tausend mal lieber, als Kurse mit hunderten Studenten.

Meine zwei Japanisch Kurse heute waren eine leichte Herausforderung. Es werden ziemlich viele Kanji als bekannt vorausgesetzt, und jedes Thema wird sehr schnell abgehakt, so dass man beim Mitschreiben wirklich Gas geben muss. Ein Paar Kanji Fehler sind mir heute auch unterlaufen, zum Beispiel schrieb ich das Zeichen für „Ich“ (私) konsequent mit einem Strich zu wenig, und verwendete anstatt dem Zeichen für Jahr (年)… das Zeichen für Rind (牛). Irgendwie würde ich gerne das Gesicht unserer Dozentin sehen, wenn sie meinen Text so durchliest, wobei ich mir auch gut vorstellen kann, dass das vielleicht keine so gute Idee wäre. Na ja, ich werde hier wohl kaum um Kanji drum rum kommen, also sind solche Fehler ja schon fast vorprogrammiert gewesen.

Gerade als die heutigen Vorlesungen beendet waren, versammelte sich eine riesige Menschenmasse gegenüber der AGU, um vor der United Nations University gegen den Klimawandel zu protestieren. Lange zuschauen konnte ich hier aber nicht, da ich auf keinen Fall zur Rush Hour Zug fahren wollte.

Für morgen ist meine erste Karaoke Session in Japan angesagt, und ich kann es wirklich kaum erwarten! Auch wenn die Wände im Wohnheim überraschend dick sind, traue ich mich trotzdem nicht hier lauthals los zu singen, also werde ich das morgen alles rauslassen.

Letztlich, heute mal keine Collage, da ich einfach nicht genug interessante Bilder in den letzten Tagen gemacht habe. Ich denke ich sammele lieber noch ein paar Bilder mehr zusammen, und dann kann ich wieder eine (mehr oder weniger) schöne Collage basteln.

LG Ines ^^

Tag 10: Planen, vorbereiten und Chaos vermeiden

Nur noch wenige Tage, bis zum Vorlesungsbeginn hier in Japan. Das heißt es wird Zeit von „Welchen Stadtteil will ich heute erkunden?“ zu „Welche Kurse will und darf ich belegen?“ zu wechseln.

Gestern gab man uns allerlei Materialien zur richtigen Kurswahl, und danach fand ein ziemlich spaßiges Kennenlern-Treffen für die Austausch Studenten und die Japanischen Tutoren an. Natürlich war dies, typisch Japanisch, komplett durchstrukturiert, und man hatte je ein festes Zeitfenster um sich an seinem Tisch vorzustellen, sich an den Snacks und Getränken zu bedienen und für 2 kleine Spielchen (die Bingo Götter waren an diesem Tag scheinbar nicht mit mir…).

Ab heute konnte man dann seine Kurse wählen, und ich bin verdammt froh, dass ich mir zuhause an der Fachhochschule um so etwas keine Sorgen machen muss. Viele Kurse hier sind nur beschränkt zugänglich, das heißt man muss zuerst ein Formular ausfüllen um den Kurs überhaupt anfragen zu dürfen, und dann wird per Los entschieden, ob man es in den Kurs geschafft hat, oder nicht. Von diesem dämlichen Prinzip aber mal abgesehen habe ich noch genug Probleme überhaupt abzuklären welche Kurse ich belegen darf und soll, um die nötige ECTS an der htw zugeschrieben zu bekommen, und bis jetzt habe ich auf meine Fragen vom International Office noch keine Antwort erhalten, also muss ich noch etwas warten, bis ich meine Kurse vollständig buchen kann.

Um aber noch auf etwas positives hinauszukommen, haben wir heute die Resultate unseres Japanisch Tests erfahren, und ich bin glücklicherweise nicht im niedrigsten Level! Wie ich es bei diesem scheiß schweren Test in Level 2 geschafft habe, ist mir ein Rätsel, freuen tue ich mich aber trotzdem.

Gelegenheiten für Bilder ergaben sich heute leider wenige, da es fast den gesamten Tag regnete, also ist die Collage dieses Mal etwas… übersichtlicher als sonst.

LG Ines ^^“

Tag 9: Anime, Maids und Spielzeugautomaten

Die neue Woche hat begonnen, und das direkt mit einem Feiertag (Tag des Respekts vor dem Alter), was bedeutete, dass ich leider heute morgen die Cafeteria leer vorfand. Verhungert bin ich natürlich trotzdem nicht, 2 Butterbrötchen, ein Schokobrötchen und eine Banane später war ich gut gestärkt bereit, mich dem heutigen Ziel zu stellen: Akihabara erkunden!

Was genau Akihabara so besonders macht habe ich ja bereits vorher schon erklärt, aber um es noch einmal kurz zu fassen: Akihabara ist das Anime/Manga Viertel von Tokyo. Hier findet sich alles was entweder niedlich ist, oder zu irgendeiner Nische gehört… also war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis es auch mich dorthin verschlug.

Im Gegensatz zum vergangenen Wochenende, war ich dieses Mal nicht alleine unterwegs. Begleitet wurde ich von Adrien (USA), Noah (USA), Isis (USA), Megan (England), Chloe (Australien) und Laura (Finnland).

Weniger Betrieb als in Shibuya war auch hier, wobei ich Akiba in keinster Weise als weniger überwältigend bezeichnen würde. Ich hatte im Voraus ja schon damit gerechnet, hier viele Anime Läden, und vielleicht das ein oder andere gethemte Kaffee zu sehen, aber damit, dass wirklich jeder Zweite Laden ein mehrstöckiges Anime-Kaufhaus ist, und an jeder Straße mehrere Maids Werbung für ihre jeweiligen, verschieden Kaffees machen, hatte ich doch nicht erwartet. Jedes Hochhaus war mit riesigen Plakaten von niedlichen Anime Mädels verziert, Spielhallen befanden sich an fast jeder Straßenecke, es gab Läden, die nur aus mit Spielzeug gefüllten Kaugummiautomaten bestanden (sogar Monchichis waren hier vertreten) und manchmal liefen Leute mit Eulen und Falken auf dem Arm an einem vorbei, die anstatt einem klassischen Katzen Kaffee, ein Kaffee mit eben diesen Vögeln betrieben.

6 Stunden liefen wir einfach nur von Shop zu Shop und von Spielhalle zu Spielhalle. Auch wenn wir dadurch am Ende des Tages nicht mehr die nötige Energie hatten, um auch wirklich eines der vielen Maid Kaffees zu besuchen, würde ich den Tag trotzdem als sehr gelungen bezeichnen. Wir hatten eine Menge Spaß zusammen über unsere Lieblingsserien, und darüber wie niedlich hier alles ist, zu schwärmen, hatten ein großartiges Mittagessen und haben einige coole Bilder gemacht.

Morgen geht es wieder an die Uni, also bin ich mal gespannt was dieser Tag so bringen wird.

LG Ines

(P.S. Eine neue Handyhülle hat sich hier auch gefunden ^^)

Tag 8: Wochenfazit und entspannte Erkundungen

Ab heute bin ich offiziell eine Woche in Japan… und ich bin wirklich begeistert. Vor dem Flug war ich so nervös, aber nachdem ich mich jetzt ordentlich eingelebt habe, fühle ich mich echt verdammt wohl. Besonders froh bin ich, dass ich es (nachdem ich ja eigentlich abgelehnt wurde) doch noch in das Wohnheim geschafft habe. Hier wird einem so gut geholfen, und ich habe mich schon ziemlich gut mit den anderen Austausch-Studenten hier angefreundet, so dass man eigentlich immer jemanden hat der einem entweder helfen kann, sich hier zurecht zu finden, oder der genauso unschlüssig ist wie man selbst, aber auch das hilft manchmal. Am Dienstag werde ich meine Kurse hier wählen and am Freitag werden dann meine ersten Vorlesungen anfangen, also bin ich mal gespannt, ob ich mich an die Uni hier genauso schnell gewöhnen werde.

Nachdem unsere letzten Ausflüge in Shibuya ja recht hektisch waren, wollte ich es dieses Wochenende mal etwas langsamer angehen lassen, bevor wir uns morgen nach Akihabara – das unumstrittene Anime und Manga Viertel Tokyos – aufmachen. Gestern erkundete ich ein Jiyugaoka ein bisschen, was etwas europäischer angehaucht ist, als der Rest von Tokyo. Sobald man den Bahnhof verlässt steht man in der Rue Marie Claire, und jede kleine Boutique (von denen es echt viele gibt) schmückt sich mit irgendeinem französischem, oder manchmal auch deutschem Slogan. Wie erwartet war es hier deutlich weniger touristisch, und es war schön mal wieder Bänke und kleine, angelegte Parks zu sehen. Ich bekam mein erstes Kompliment für mein „gutes Japanisch“ von einem Kellner, und hatte den leicht peinlichen Moment, dass ich, als ich mir in einem Restaurant Messer und Gabel nehmen wollte, diese fast wie ein Paar Stäbchen gehalten hätte, weil ich die ganze Woche mit nichts Anderem gegessen hatte.

Außerdem habe ich an diesem Abend noch das Fitnessstudio des Wohnheims ausprobiert, und nach über 2 Jahren ohne Krankengymnastik fühlte es sich echt wieder gut an, sich an den Geräten auspowern zu können. Einen kleinen Muskelkater hab ich doch bekommen, aber insgesamt hoffe ich, dass ich ein wöchentliches Workout doch in meiner Routine behalten kann.

Heute war ich weniger unterwegs, nur etwas einkaufen und ein kurzer Trip in den Food Court der Mall hier, und ich nach einer Woche in Japan hatte ich endlich meine erste Schüssel, Original japanisches Ramen vor mir. Auf dem Heimweg fiel mir dann etwas auf, nämlich dass Japanische Kinder mich scheinbar nicht mögen… wann immer mir ein kleines Kind hier entgegen kommt, egal wie happy es vorher war, kaum sieht es mich an wird es plötzlich still und versteckt sich lieber bei seinen Eltern. Ich weiß nicht ob es nur daran liegt, dass ich ziemlich offensichtlich keine Asiatin bin, aber irgendwie fand ich das schon seltsam.

Nachdem das Wochenende jetzt so ruhig war, bin ich echt gespannt wie morgen unser Trip nach Akihabara wird (und ob ich dort endlich eine passende Handyhülle finde). Immerhin, die erste Woche ist schon rum, und wer weiß wie viele Ausflüge ich noch machen werde, wenn die Vorlesungen angefangen haben, aber darüber mache ich mir jetzt erst mal keine Sorgen, sonder gehe stattdessen mal schön ins Bett.

LG Ines

Tag 6: Reizüberflutung und Routine-Findung

Hoch die Hände, Wochenende! Nachdem ich nach dem Izakaya-Besuch gestern Abend erst mal fast das Frühstück verschlafen hatte, hieß es heute wieder auf nach Shibuya, für weitere Orientierungsveranstsltungen. Man erklärte uns noch einmal, wie man sich für die japanische Krankenversicherung einschreibt, oder man sich eine Arbeitserlaubnis besorgt, aber glücklicherweise haben wir im Wohnheim das schon überwiegend erledigt gehabt. Selbst eine kleine Erdbebenschulung bekamen wir, und ich war echt baff, wie selbstverständlich unsere Tutorin über mögliche Erdbeben reden konnte. Selbst der Fahrstuhl an der Uni hat einen extra eingebauten Sitz, falls man bei einem Erdbeben im Fahrstuhl festsitzen sollte.

Mein persönliches Highlight der heutigen Vorträge war allerdings die AG Übersicht, denn hier wurde wirklich nicht gespart. Von männlichem Cheerleading, über Tee Zeremonien, bis hin zu einer Jura AG ist hier wirklich einiges geboten, jedoch nehmen viele Clubs nur Studenten an, die länger als 1 Semester hier studieren, setzten hohe Japanisch Kenntnisse voraus oder haben sehr hoch gesteckte Leistungserwartungen. Der Tanz Club zum Beispiel setzt voraus, dass man fließen Japanisch spricht, mehr als 2 mal die Woche trainiert, und berechnet Kosten für eine Uniform, Schuhe, ein Trainingslager und eine Abschluss Veranstaltung… da kann man nicht so einfach einmal mit-walzern. Von AGs mal abgesehen bietet die Uni auch einige Events für Austausch Studenten an, nämlich erhielt ich heute schon eine Einladung zu einem Sake Seminar.

Eine Japanische SIM habe ich ab heute auch, was zum einen bedeutet, dass ich endlich mobiles Internet benutzen kann, zum anderen kostete es mich dafür aber meine Handy Hülle, die mein Handy so fest gehalten hatte, dass sie beim Versuch dieses zu befreien leider in der Mitte durchbrach. Ein schlimmer Verlust ist das aber nicht wirklich, immerhin bin ich fast umzingelt von niedlichen Läden, mit niedlichen Handy Hüllen, also wird sich schon irgendwie etwas passendes finden.

Im Anschluss schauten wir uns wieder etwas in Shibuya um, und langsam aber sicher fangen wir an, und auch ohne Google Maps orientieren zu können. Heute angesteuert war ein Laden der sich auf Anime und Manga spezialisierte, und dieser Laden war sowohl das pure Nerd-Paradies, als auch die ultimative Reizüberflutung, da sich alle 5 Schritte ein Lautsprecher in den Regalen versteckte, der entweder laut Musik spielte, oder aus einem Hörbuch vorlas, was bedeutete dass man auf einmal Dutzende verschiedene Sachen auf den Ohren hatte. Zudem zieht sich irgendwie ein konstantes, hohes Piepen durch die größten Straßen Shibuyas, weshalb mein Kopf immer noch leicht weh tut. Trotzdem, es ist immer noch faszinierend das alles hier zu sehen, und ich bin mir sicher, dass man sich schneller an das ganze Getümmel gewöhnen wird, als gedacht.

Über dieses Wochenende habe ich wahrscheinlich vor, einen der weniger touristischen Orte zwischen dem Wohnheim und der Uni zu besuchen. Jiyugaoka zum Beispiel wird online als „Tokyos kleines Europa“ bezeichnet, und nachdem ich gestern schon, auf dem Weg zur Kneipe durch die Bremen Straße durchgegangen war, bin ich echt neugierig, wie viel Europa sich noch hier in der Gegend versteckt.

LG Ines ^^

Tag 5: Rein in die Stadt, und rauf auf den Campus

Heute war es endlich soweit. Zum ersten Mal fuhren wir nach Shibuya rein, und starteten den Tag mit einer Tour des kleinen, aber sehr schön grün angelegtem Campus der AGU. Die Gebäude erinnerten mich lustigerweise etwas an die der Uni in Saarbrücken, weil einige wirklich schön und modern aussahen während andere… schon einmal bessere Tage gesehen hatten. Insgesamt hieß man uns aber sehr herzlich willkommen, was schon einiges bedeutete, da sich die Tutoren um über 90 ausländische Studenten kümmern mussten.

Von der generellen Einfindung mal abgesehen, stand heute auch noch der Japanisch-Einstufungstest an, und holy shit war der Test schwer. Meine Einstufung werde ich erst nächsten Mittwoch erhalten, aber von dem was ich mitgekriegt habe war niemand mit diesem Test wirklich zufrieden…

Um uns von diesem grausamen Test etwas abzulenken, entschloss ich mich, mit ein paar Freundinnen, die Umgebung Shibuyas zu erkunden. Unser Ziel war ursprünglich der Disney Store in Shibuya, und unser Weg dorthin führte uns natürlich auch an der berühmten Shibuya Crossing vorbei. Überwältigend, ist glaube ich das richtige Wort, um diesen Nachmittag zu beschreiben, denn es war echt verdammt voll und natürlich versucht in Japan jeder Automat und jede Werbereklame mit dir zu reden. Wenn ich einen Vergleich herstellen müsse, würde ich Shibuya am ehesten mit New York vergleichen, wobei Shibuya doch deutlich sauberer ist, und man sich aus irgendeinem Grund sicherer fühlt, als man es in irgendeiner Stadt zuhause tun würde.

Auf unserem Weg zum Disney Store würden wir leicht (oder wohl eher stark) von einem BTS Pop Up-Store abgelenkt, aber nachdem der Kultur Schock, über die Tatsache, dass Kpop hier etwas ganz normales ist, und es sogar eigene Läden dazu gibt, mal abgewandt war, fanden wir endlich unseren Weg zum Disney Store.

Auch wenn dieser Disney Store vielleicht nicht durch seine Größe glänzen kann, so kann man doch nicht abstreiten, dass alles mit einer riesen Sorgfalt designet wurde, und zudem gab es auch vielerlei Artikel noch 20 – 50% Rabatt.

Nachdem wir es (ohne irgendetwas zu kaufen) aus dem Store wieder raus geschafft hatten, ging es auch schnell wieder in Richtung Wohnheim, denn wir wollten auf keinen Fall in der japanischen Rush-Hour gefangen sein. Großartig Zeit für Langeweile hatte ich aber auch nicht wirklich, da sich der Großteil der ausländischen Studenten zu einem Kneipenbesuch treffen wollten, der sich insgesamt sehr schön vorüber ging.

Morgen gehen die Orientierungsveranstsltungen weiter, also werden wir mal sehen, was sowohl der Campus, als auch Shibuya selbst für mich morgen noch so geplant hat.

Bis dann, LG Ines