Tag 4: Freunde finden und Erkundung der Umgebung

Hallo, mal wieder aus Japan ^^“ gestern habe ich mich mal entschieden, den Blog Eintrag einzusparen, weil man gestern und heute eigentlich ziemlich gut zusammenfassen kann, bevor es morgen richtig los geht, und ich zum ersten Mal die Uni hier sehe (immerhin bin ich ja nicht nur zum Urlaub hier ;3).

Durch den Taifun kamen einige Austausch Studenten verspätet im Wohnheim an, aber gestern waren wir endlich vollzählig und wurden erstmals durch die Umgebung, und den etwas städtischeren Teil von Musashi Kosugi geführt. Hiervon habe ich es leider verpeilt Bilder zu machen, weil mich in dem Moment noch einmal die Realisation getroffen hatte, dass ich wirklich wahrhaftig in Japan bin (!!!), aber ich bin mir sicher irgendwann werden die Bilder folgen. Wir wurden auf direktem Weg in eine Mall zu einem Dollar Store geführt, wo meine Mission klar war: Kleiderbügel und einen Duschvorhand finden, denn mein Stockwerk ist nicht ganz so üppig ausgestattet wie die Restlichen. Ersteres fand ich auch relativ schnell, aber ein Duschvorhang (nachdem ich wohlgemerkt schon seit Sonntag suchte) war immer noch nirgends zu sehen. Dafür fand aber ein knuffiges Faultier Kissen ganz zufällig seinen Platz in meine Einkaufstasche, also ging der Besuch doch noch erfolgreich aus.

Heute wurden wir hingegen zur Stadtverwaltung geschickt, um dort unsere Formulare für eine Arbeitsgenehmigung und Krankenversicherung abzugeben, und nachdem wir dort fertig waren schnappte ich mir eine der anderen Austausch Studenten hier, mit der ich mich mittlerweile ganz gut angefreundet habe, und setzte die Mission „Es kann doch nicht sein, dass kein Laden hier Duschvorhänge hat“ fort. Wir fanden eine ziemlich schicke Mall, und wurden auf unserer Suche zuerst von einem Musik-Laden voller Anime- und Kpop abgelenkt. Nachdem wir dort für… einige Zeit rumgestöbert hatten, fanden wir endlich einen Laden, in dem wir auf Nachfrage zu den Duschvorhängen geführt wurden. Jetzt sieht mein Bad auch nicht mehr ganz so trist aus, und ich muss nicht mehr aufpassen beim Duschen nicht das gesamte Bad zu überfluten.

Noch etwas was mir aufgefallen ist: scheinbar ist es hier gerade der Trend seine Kissen nicht mit Schaum oder Kernen oder Daunen zu füllen, sondern stattdessen fanden wir einen Laden der sich komplett auf kleine Plastikröhrchen oder Kügelchen als Kissenfüllung spezialisiert hatte, und tatsächlich ist auch mein Kissen im Wohnheim mit solchen Röhrchen gefüllt. Ich habe keine Ahnung ob das noch irgendjemand außer mir interessant findet, aber ich fand das mal interessant zu sehen…

Morgen fahren wir wie gesagt zum ersten Mal an den Campus, und ich bin schon echt gespannt wie es sein wird wirklich im Herzen der Stadt zu sein und meinen Tutor kennenzulernen. Außerdem werden wir morgen in einen Japanisch-Kurs eingeteilt, weswegen ich auch leicht nervös bin, aber Last-Minute-Kanji-lernen wollte heute Abend einfach nicht mehr klappen. Wenigstens ist eine meiner größten Sorgen schon mal beseitigt, denn es war überraschend einfach hier Anschluss unter den Austausch Studenten zu finden und ein kleines Freundschaftsgrüppchen hat sich auch schon etabliert.

Na dann, bis morgen, ich bin schon gespannt was ich vom Campus erzählen werde ^^

LG Ines

Tag 2: Wie man sich nach einem Taifun einwohnt

Erste Nacht in Japan ist überstanden und direkt damit auch mein erster Sturm. Anstelle von Knieschmerzen oder Jetlag warf mich Taifun Faxai um 4 Uhr morgens aus dem Bett. Vom lauten Wind- und Regenpeitschen mal abgesehen wurden mir die Auswirkungen des Taifuns aber erst klar als ich mich ein paar Stunden später zu meinem ersten japanischen Frühstück in die Lobby auf machte, deren Boden komplett überschwemmt war. Wirklich gekümmert hat das allerdings niemanden, die Angestellten der Cafeteria nutzten die Pausen zwischen der Essensausgabe einfach um ganz nebenbei noch etwas Wasser raus zu fegen, als ob es das selbstverständlichste der Welt wäre.

Japanisches Frühstück ist definitiv gewöhnungsbedürftig, aber ich hätte es mir ungewohnter vorgestellt. Über eine Schale Reis beschwere ich mich zu keiner Mahlzeit und die Haupt-Suppe hat sogar ziemlich westlich geschmeckt. Lediglich die Zusatz-Miso Suppe mit Seetang und Chikuwabu (einer Art röhrenförmiges Mehlpastenbrot) war jetzt nicht ganz so mein Geschmack, aber vielleicht gewöhnt man sich ja noch daran.

Meine nächste Mission für den Tag war etwas einkaufen zu gehen und die Convenience Stores der Umgebung zu erkunden. Auf meinem Weg zum Bahnhof habe ich nämlich genau 3 solcher Konbinis, und ich habe sogar, entgegen aller Erwartungen, eine normale Flasche Sprudel gefunden, die ich wohl noch einige Zeit in Ehren halten werde. Eine Drogerie, die ich mir mal kurz anschauen wollte, musste leider wegen Taifun-Schäden geschlossen bleiben, und auch das Wlan hier hatte den ganzen Morgen Taifun-bedingte Aussetzer, aber insgesamt finde ich mich schon ganz gut in der Umgebung zurecht und habe fast alles bekommen was ich wollte. Trotzdem hätte ich nicht gedacht, dass man als Ausländer hier doch so sehr auf den Straßen auffällt, wobei das in Zentral Tokyo wahrscheinlich nochmal anders sein wird.

Letztlich gab es im Wohnheim heute ein internationales Buffet, um alle Austausch Studenten willkommen zu heißen, und es fand sich schnell ein Grüppchen zukünftiger AGU Studenten zusammen. Ich bin echt verdammt froh, gestern schon angekommen zu sein, denn einige hatten eine ziemlich holprige Anreise, da viele Züge wegen dem Taifun nicht fahren konnten und sogar Flüge komplett umgeleitet wurden. Von meinem ersten Eindruck her sind die meisten Austausch Studenten Amerikaner, wobei sich ein Paar Australier relativ schnell zusammengefunden haben und uns lautstark demonstriert haben, dass australisches Englisch teilweise wie eine komplett eigene Sprache klingen kann.

Morgen beginnen die ersten Veranstaltungen hier in- und ums Wohnheim herum, und ich bin schon gespannt was ich davon berichten werde.

LG, Ines

Tag 1: Flug, Ankunft und Koffer schieben

Soooo… nach einem Jahr an Planung (und gut 7 Jahren an wunschdenken und träumen) sitze ich jetzt endlich in meinem Zimmer im Wohnheim der japanischen Aoyama Gakuin Universität. Es fällt mir immer noch schwer zu glauben, dass ich hier wirklich die nächsten 6 Monate verbringen darf, aber während sich hinter mir ein Taifun zusammenbraut lenke ich mich lieber einmal damit ab, hier jetzt meinen Flug und die Anreise nach Japan zu schildern.

Mein Flug hob um 19:40 ab, und insgesamt waren vielleicht eine Hand voll Deutsche an Bord. Dies spiegelte sich auch in den Durchsagen des Piloten wieder, da auf Japanisch immer noch schön beschrieben wurde mit welchem Tempo wir unterwegs sind, wie das Wetter in Tokyo ist und vor allem wie der Status des anstehenden Taifuns ist, wobei die Englische Durchsage lediglich über die obligatorischen Sicherheitshinweise berichtete. Insgesamt war der Flug aber sehr schön, auch wenn wir unterwegs doch schon stärkere Turbulenzen hatten. Immerhin konnten wir auch eine gute halbe Stunde vor der angesetzten Zeit landen – dieses Mal ohne Ruckeln.

Vom Flughafen Narita hatte ich mir ehrlich gesagt etwas mehr erwartet, der gesamte Immigration Bereich hatte leichten Baustellen-Charakter und an Stelle einer digitalen Anzeige lief eine Stewardess auf dem Kofferband hoch und runter, die uns per Schild zeigte ob wir hier beim richtigen Flug waren. Die Immigration an sich ging aber fixer als erwartet, ich glaube in nicht einmal einer halben Stunde war ich auch schon wieder fertig um mir einen passenden Zug zu meinem Wohnheim zu suchen.

Das Zugnetz in Tokio wird mich heute wahrscheinlich nicht zum letzten Mal etwas verwirrt haben (der Wechsel von Saarbrückens Straßenbahnnetz hierzu ist schon drastisch), aber wenn man sich etwas Zeit nimmt alle Schilder und Pfeile zu entschlüsseln, dann kommt man relativ schnell hinter das System und es wird zum Glück auch alles doppelt und dreifach durchgesagt, so dass wirklich jeder merken dürfte ob er gerade auf den richtigen Zug wartet oder nicht.

Die Zugfahrt war sehr ruhig und zum Glück komplett durchklimatisiert, denn mit solch tropischer Schwüle hätte ich doch nicht gerechnet. Zwar ging ständig ein heftiger Wind, doch der konnte mich auch nicht davon abhalten mir beim Transport meiner 2 Koffer – die sich natürlich in jeder Rille festfuhren – zum Wohnheim, alles Mögliche vom Leib zu schwitzen. Auch wenn es insgesamt doch einfacher gewesen war, als gedacht, war ich doch froh als mir der Mann am Empfang trotz anderer Vertragsart im Vergleich zu den anderen AGU exchange students, schnell mein Zimmer zeigte und sogar noch eine Führung durch das gesamte Wohnheimsgebäude mit dazu warf.

Die Bilder von meinem kleinen, feinen Zimmer folgen morgen, wenn ich noch ein paar Kleinigkeiten besorgt habe und auch die anderen Bereiche demonstrieren kann. Für heute bin ich einfach nur müde, aber auch mindestens genauso gespannt was die nächsten Monate hier für mich bereit halten werden (und wie regelmäßig ich diesen Blog hier update, aber da gehe ich einfach optimistisch ran).

LG aus Tokio, Ines ^^