Tag 52: Auf aufs Land!
Eine weitere Woche ist rum, und diese war besonders kurz: Montags hatte ich keine Vorlesungen, weil unsere Japanisch Dozentin auf Dienstreise nach Osaka war, also nutzte ich den Tag um Hausaufgaben zu machen, eine Präsentation vorzubereiten… und den Abend mit Freunden im Halloween-gethemten Maid Café zu verbringen.
Dienstags hatte ich dann ENDLICH meine erste deutsche Chat Session. Zum Glück musste ich nicht an die High School, sondern hatte stattdessen eine kleine Gruppe, bestehend aus 3 Studenten. 2 davon konnten auch schon grundlegendes Deutsch, konnten sich vorstellen, Verben konjugieren etc, nur eine konnte wirklich nichts, aber das war relativ egal, da die Stimmung so entspannt war, dass ich die ganze Zeit einfach nur die unterschiedlichsten Fragen zur deutschen Sprache beantwortete. Meine nächste deutsche Session habe ich erst wieder in 2 Wochen, und ich muss sagen, wenn die Gruppe nochmal ungefähr die gleiche ist, freue ich mich schon echt darauf.
Der Rest der Woche verlief dann unspektakulär, bis heute schon wieder die Uni ausfiel, und wir einen Ausflug nach Chichibu machten.
Chichibu liegt in der Präfektur Saitama, und somit nordwestlich von Tokyo. Insgesamt 2 Busse mit sowohl internationalen, als auch japanischen Studenten, bekamen wir voll, und als erster Punkt auf unserer To-Do Liste stand das Herstellen unseres eigenen Hankos. Ein Hanko ist ein japanischer Stempel, der personalisiert wird, und hier anstelle einer Unterschrift verwendet wird. Der Prozess war etwas umständlich, und für mich ziemlich frustrierend (was vermutlich an meinem Mangel an handwerklichem Geschick liegt), weshalb ich nochmal von neuem starten musste, und jetzt anstatt meines Namens auf Japanisch, einen Hanko mit Schleife hab. Ich glaube niemand wäre großartig überrascht, wenn ich wirklich anfangen würde, mit einer Schleife zu signieren, also schien mir das eine gute Notlösung.
Nächster Halt war ein traditionelles, japanisches Restaurant, in dem wir Chichibus traditionelle Soba probieren konnten. Das war das erste Mal, dass ich hier für ein Restaurant die Schuhe ausziehen musste, und generell mein erster Kontakt hier mit einem Tatami Boden. Das Essen an sich war sehr beeindruckend und schick angerichtet… aber leider so gar nicht meins. Aus irgendeinem Grund lieben Japaner kaltes Essen, und ich eben nicht, also war das Essen so seine Sache. Immerhin war ich nicht die einzige, die dieses Problem hatte, und zudem hatte ich mir ein Paar Snacks eingepackt, also fühlte ich mich nicht ganz so schlecht, so viel übrig zu lassen.
Auf der Fahrt zu unserem nächsten und letzten Stop auf dem Ausflug, fiel mir mal etwas auf: in Japans ländlichen Regionen – so schön wie sie auch sein mögen – wimmelt es nur so vor Spinnen. Hätte ich’s nicht besser gewusst, hätte ich gemeint ich wäre in Australien gelandet. Jeder Zweite Strommast war in Spinnweben eingewickelt und teilweise reichten die Netze sogar von der Leitplanke, bis hoch zu einem Hausdach. Und die Bewohner der Netze sahen oft ähnlich… beeindruckend aus, auch wenn ich froh bin, dass ich aus dem Bus heraus nur wenige Details erkennen konnte.
Das Hauptevent des Tages war das Trauben-Pflücken. Hierfür hatte ich erwartet, dass wir zuerst etwas wandern würden, und dann einem schön offenen Weinberg Trauben pflücken, und gelegentlich die ein oder andere sogar essen dürften. Ich lag leicht daneben, denn unser Ausflug führte uns keine 10m vom Bus weg, hinein in ein Gewächshaus. Hier zeigte man uns, wie man die riesigen Traubenklötze, die von der Decke hingen, am Besten abschneidend könnte, und sobald wir einen Klotz geschnitten hatten, mussten wir ihn auch wirklich leer essen. In dem Falle, dass wir am Ende noch Trauben übrig hätten, müssten wir für unseren Klotz bezahlen, also strengte sich jeder extra an, seinen Klotz so schnell wie möglich leer zu essen, was mit diesen riesigen (aber verdämmt süßen und herrlich leckeren) Trauben aber zu einer leichten Herausforderung wurde.
Letztendlich habe selbst ich es geschaffte, meinen Klotz fertig zu essen. Trotzdem glaube ich nicht, dass irgendjemand von uns in den nächsten Wochen auch nur eine weitere Traube sehen will.
Morgen werde ich den Tag vermutlich überwiegend auf dem Aoyama Universitätsfestival verbringen. Einige meiner Freunde werden mit Clubs Vorführungen auf die Beine stellen, und das Aoyama Festival ist das zweitgrößte Uni Fest in Tokyo (mit 15000 erwarteten Besuchern), also lasse ich mich mal überraschen, ob ich es nicht doch zu überwältigend finde.

LG Ines






