Tag 35: Sie lebt noch, sie lebt noch~

Taifun Hagibis ist überstanden! Der stärkste Sturm Japans seit 60 Jahren und ich kann sagen: „Ich war dabei!“

Morgens waren wir noch etwas unsicher, wie die Situation sich entwickeln würde, und wie schlimm der Sturm wirklich werden würde. Den überwiegenden Teil des Tages regnete es nur stark, keine Spur von einem richtigen Sturm, aber trotzdem gingen für viele Regionen Evakuierungsaufrufe raus. Wir im Wohnheim waren zum Glück nicht betroffen, einige meiner Freunde in anderen Teilen Tokios hingegen, mussten ihre Apartments wegen Überflutungsgefahr verlassen. Obwohl ich davor im 7. Stock wohl kaum Angst haben musste, wurde mir auch geraten, für den Fall der Fälle auch eine Evakuierungs-Tasche zu packen. Ein weiterer Tipp, den ich online gefunden hatte, war so viel Wasser wie möglich vorzubereiten, also füllte ich nicht nur Flaschen mit Wasser aus, sondern auch die Badewanne, für den Fall, dass die Wasseranbindung abbrechen würde. Insgesamt würde ich sagen, ich war ziemlich gut vorbereitet, und wie bereits erwähnt, den gesamten Morgen und Mittag über, sah es draußen höchstens nach einem starken, aber normalen Regentag aus.

Abends kam dann aber der richtige Sturm an. Obwohl der Taifun insgesamt von einer Stufe 5 auf eine 4 abgestuft wurde, waren der Wind schon ziemlich heftig. Nicht nur das, scheinbar gab es auch 2 kleine Erdbeben (je Stärke 3,2 und 5,3), wobei ich das erste davon schlicht verpasst habe, und letzteres verschlafen habe. Während der Sturm draußen wütete hörte man regelmäßig Krankenwägen und irgendwelche Sirenen, einen Evakuierungsbescheid für unsere Region gab es aber zum Glück nicht.

Heute morgen sah es dann so aus, als wäre nichts gewesen. Strahlender Sonnenschein, 28 Grad und überraschenderweise war von der Luftfeuchtigkeit nichts mehr zu spüren. Meine Freunde konnten zum Glück auch alle nochmal nachts in ihre eigenen Wohnungen zurückkehren, und mussten die Nacht nicht in den Gemeindesälen, in die sie evakuiert worden waren, verbringen. Trotzdem bekam ich doch ein etwas mulmiges Gefühl, als ich mir ein Paar Artikel über den Taifun und seine Auswirkungen durchlas. Scheinbar gab es 26 Tode, und zu sehen, wie viele Haushalte ohne Strom waren oder immer noch evakuiert bleiben mussten, war doch etwas erschreckend. Wenn ich bis jetzt etwas über Naturkatastrophen gelesen hatte, war das immer weit entfernt, aber jetzt war ich zum ersten Mal mitten drin, und hab scheinbar dabei auch ziemliches Glück gehabt. Meine Evakuierungstasche ist wieder ausgepackt, das Notfall-Wasser in der Badewanne abgelassen, und ein kurzer Rundgang durch Musashi Kosugi hat mir gezeigt, dass hier, bis auf den ein oder anderen umgestürzten Baum, nicht wirklich irgendwelche großen Schäden entstanden sind.

Morgen sehe ich mal, ob auf dem Weg zur Uni stärkere Schäden entstanden sind, und ich habe wahrscheinlich meine erste Chat Leader Session auf Deutsch. Mal schauen, wie gut Japanische Schüler Deutsch können, und welche Brocken Saarländisch ich Ihnen als erstes beibringen werde.

LG Ines

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